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„Yume“ im Kino

Yume

Drei junge Frauen auf drei Kontinenten, drei Lebensentwürfe im gesellschaftlichen und biografischen Transit: Analнa lebt mit ihrem Vater in einem Zimmer über den Dächern von Havanna, träumt von einer Karriere als Bildhauerin und wartet auf die Ausreise zu ihrem Verlobten nach Südamerika. Ayin rebelliert in Teheran als Kickboxerin gegen eine paradoxe Logik, die einer Frau erst in der Ehe eine gewisse Freiheit zugesteht. Tonko singt abends auf den Straßen von Tokio und verschenkt ihre CDs, gefangen in einer ziellosen Selbstverwirklichungsschleife.
„Yume“, die Abschlussarbeit von zwei Absolventinnen der KHM Köln, agiert als Dokumentarfilm eher journalistisch und räumt direkten Gesprächen viel Raum ein. Diese Scheu vor subjektiver Aneignung des Materials ist vertretbar, hinterlässt aber eine Leerstelle: Der Film gleicht einem Bilderbogen, es fehlt an thematischer Verdichtung oder struktureller Zuspitzung. Doch dieses Manko resultiert erst aus der Qualität eines Films mit theoretischem Anspruch, der die Frage nach dem Verhältnis von Individuum und gesellschaftlicher Verfassung auf das Verhältnis von Politik und Familie, von Eltern und Kindern, von Lebenswegen und Selbstentwürfen herunterzubrechen versucht.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Kunsthochschule für Medien, Köln

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Yume“ im Kino in Berlin

Yume, Deutschland 2010; Regie: Annkatrin Hausmann, Shirin Saghaie; 65 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 28. Juli

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