Kommentar

„Zahlenspiele“ von Lars Penning

Die Zahlen belegen es mal wieder. Was genau? Na ja, fast alles, was man möchte. Wenn man zum Beispiel jubeln möchte: Laut ­Informationen der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle wurden in den Kinos der 28 EU-Mitgliedsstaaten 2016 so viele Tickets verkauft wie schon seit zwölf Jahren nicht mehr, insgesamt 991 Millionen Stück.

Lars Penning

Klingt erst einmal gut und scheint zu belegen, dass das Kino trotz starker Konkurrenz durch populäre Serien und Streaming-Plattformen so relevant ist wie eh und je. Geht es den Kinos deshalb gut? Nun, hier steckt der Teufel schon im Detail: 2016 sank das Bruttoeinspielergebnis nämlich um nicht unerhebliche 2,3 Prozent. Denn in einigen Ländern wurden die Ticketpreise gesenkt, während in traditionellen Ticket-Hochpreisländern die Besucherzahlen zurückgingen, besonders drastisch in Deutschland. Klingt schon nicht mehr so gut.
Und was schaut das Publikum sich überhaupt an? Wenig Überraschendes, im Wortsinn: amerikanische Prequel-, Sequel- und Spin-off-Blockbuster sowie Animationsfilme, die ebenfalls überwiegend Prequel-, Sequel- und Spin-off-Blockbuster sind. In ­Europa strebt der US-Film einem Marktanteil von fast 70 Prozent entgegen, und das eigentlich ­Erschreckende daran ist die Konzentration auf nur wenige Titel. Dabei ist es ja nicht so, dass es keine Vielfalt gäbe. Es guckt sie nur niemand an. Am Ende bleibt vom Jubel nichts übrig. Der Korken kann wieder drauf auf die Sektflasche.

Mehr über Cookies erfahren