Kino & Stream

„Zarte Parasiten“ im Kino

Zarte Parasiten

Warum leben Jakob und Manu in der Natur? Sie sind jung, tanzen Techno – doch zum Schlafen kehren sie zurück in die feuchte Stille des Waldes. Hier campieren sie mit einer Autobatterie zum Kaffeekochen und anderem Zivilisationsstrandgut. Schmeckt so die Freiheit? Für ein Leben draußen muss man stark sein.
Manu und Jakob erinnern eher an Probanden in einem eigenwilligen Überlebensstrategiespiel. Ohne Vorgeschichte bringen die Regisseure Christian Becker und Oliver Schwabe („Egoshooter“) ihre Akteure ins Spiel, zeichnen sie als Außenseiter, die die Schwachstellen ihrer Mitmenschen finanziell ausnützen. Manu pflegt eine todkranke Frau und treibt es für sie schon mal mit Jakob auf dem Bettvorleger. Auch Jakob weiß, wie sich für ihn Herzen und Geldbeutel öffnen. Bis er bei einem wohlhabenden Paar landet, das seinen Sohn verlor. Er nistet sich ein, bald korrumpiert ihn das angenehme Leben.
„Zarte Parasiten“ zeigt letztlich nur Schmarotzer eines zermürbten Systems in spannungsfreiem TV-Format. Bilder hätte es hier gebraucht, die etwas anderes transportieren als einen entschleunigten Robert Stadlober als Jakob. Visionen vielleicht, ein glaubwürdigeres Unbehagen an unserer Kultur.

Text: Cristina Moles Kaup

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Zarte Parasiten“ im Kino in Berlin

ZARTE PARASITEN, Deutschland 2009; Regie: Christian Becker, Oliver Schwabe; Darsteller: Robert Stadlober (Jakob), Sylvester Groth (Martin), Maja Schöne (Manu); 89 Minuten

Kinostart: 9. September

Mehr über Cookies erfahren