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„Zaytoun“ mit Stephen Dorff

Zaytoun_04_c_EitanRiklis_SenatorBeirut, 1982. Der palästinensische Junge Fahed (Abdallah El Akal) verkauft Kaugummis und Zigaretten in der vom Bürgerkrieg zerrissenen Stadt, er lebt im Flüchtlingslager Schatila. Krieg dringt überall in den Alltag ein: Die Kinder werden von Arafats PLO (Palestine Liberation Organization), die gerade ihre Machtbasis im Libanon ausbaut, paramilitärisch ausgebildet; das Lager wird von Scharfschützen der gegnerischen christlichen Phalange-Milizen belagert (später werden sie hier das berüchtigte Massaker von Sabra und Schatila an den Palästinensern verüben); die Israelis sind noch nicht im Libanon einmarschiert, aber sie fliegen schon Luftangriffe auf PLO-Ziele. Bei einem von ihnen stirbt Faheds Vater. Bei einem nächsten wird eines der Kampfflugzeuge abgeschossen, die PLO-Milizionäre stürzen sich in ihren Kleinbus, um den sich per Fallschirm rettenden Piloten abzufangen. Er ist wertvoll, wird den kleinen Jungen beigebracht, die überall mit dabei sind, für eine israelische Geisel kann die PLO bis zu 1?000 palästinensische Gefangene freikaufen. „Warum ist einer von ihnen 1?000 von uns wert?“, fragt eines der Kinder.

Irgendwann kann der gefangene Pilot (Stephen Dorff) Fahed überzeugen, ihm bei der Flucht zu helfen, indem er verspricht, den Jungen mit über die Grenze nach Israel zu nehmen. Denn das Dorf zu finden, aus dem seine Familie einst geflohen ist, und dort den letzten überlebenden Sprössling des einstigen Familienolivenbaums wieder zu pflanzen, ist alles, was der Junge nach dem Tod seines Vaters noch will. Das ungleiche Paar bricht also zusammen auf, kämpft sich durch PLO-Straßensperren, unangenehme syrische Militärkontrollen und was dergleichen mehr zwischen Beirut und der israelischen Grenze liegt. Und wird dabei aus Feinden zu so etwas wie Freunden. Der an den persönlichen Zerreißproben des Nahostkonflikts sich immer wieder abarbeitende israelische Regisseur Eran Riklis („Die syrische Braut“, „Lemon Tree“) hat auch mit „Zaytoun“ einen eindrücklichen und sperrigen Film gedreht, der zugleich komplizierte Geschichtslektion und schöne zwischenmenschliche Utopie ist. Und der allein schon aufgrund der realen Geschichte nur in ein sehr begrenztes Happy End münden kann.

Text: Catherine Newmark

Foto: Eitan Riklis / Senator Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Zaytoun“ im Kino in Berlin

Zaytoun Großbritannien/Israel 2012; Regie: Eran Riklis; Darsteller: Stephen Dorff (Yoni), Abdallah El Akal (Fahed), Alice Taglioni (Leclair); 112 Minuten; FSK 12

Kinostart: 14. November

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