Dokumentarfilm

„Zentralflughafen THF“ im Kino

Bedrückende und positive Routine – Die Flüchtlingsunterkunft im Zentralflughafen THF

Die Jahre 2015 bis 2017 werden in Deutschland wohl für alle Zeiten mit dem Wort „Flüchtlingskrise“ assoziiert werden. In diesem Doku­mentarfilm bekommt man ein sehr prägnantes Bild davon, was in dieser Zeit in Berlin konkret geschehen ist. Das riesige Areal auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof wurde damals kurzfristig zu einem Übergangslager, in dem viele Menschen schließlich lange fest­saßen.

Foto: Juan Sarmiento

Regisseur Karim Ainouz stellt einen jungen Syrer in den Mittelpunkt seiner Beobachtungen: Ibrahim hofft, wie so viele andere, auf einen erlösenden Bescheid, der ihn zu einem Aufenthalt in Deutschland berechtigt. Während draußen die Behörden sich durch die Fälle arbeiten, herrscht in den Hangars des Zentralflughafens eine bedrückende, manchmal aber auch positive Routine. Denn für traumatisierte Menschen, wie man sie hier kennenlernt, ist es schon ein großer Fortschritt, wenn sie etwas Regelmäßigkeit erleben.
Karim Ainouz, ein echter Weltbürger mit algerischen und brasilianischen Wurzeln, lebt seit vielen Jahren in Berlin. Er hat mit „Zentralflughafen THF“ einen der zentralen Dokumentarfilme über die Flüchtlingskrise gemacht: die Beschränkung auf einen geschlossenen Raum lässt deutlich hervortreten, wie hier Bemühungen um Ordnung und um geregelte Prozeduren auf individuelle Schicksale treffen. Ibrahim erzählt von seinen Erfahrungen mit einer poetischen Sensibilität, die Helfer und Helferinnen zeigen sich immer wieder pragmatisch, und auf dem Tempelhofer Feld nebenan zeigt die Berliner Freizeitgesellschaft den Kontrast eines (relativ) unbeschwerten Lebens.

Zentralflughafen THF, D/F/BRA 2017, 101 Min., R: Karim Aïnouz, Start: 5.7.

 

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