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Filmkritik

Zeughauskino mit Retrospektive zurück: So elegant war Adolf Wohlbrücks früher Tonfilm

Das Zeughauskino wartet mit einem spannenden Programm nach der Wiedereröffnung auf: Die Retrospektive Wohlbrück – Walbrook ehrt den bedeutenden österreichischen Schauspieler Adolf Wohlbrück.


"Maskerade" mit Adolf Wohlbrück läuft am 4. Juli 2020 im Zeughauskino.
„Maskerade“ mit Adolf Wohlbrück läuft am 4. Juli 2020 im Zeughauskino. Foto: imago images/United Archives

Die Blume im Knopfloch, die Hand lässig in die Hosentasche des Fracks gesteckt: Zweifel­los war Adolf Wohlbrück die eleganteste Erscheinung des deutsch-österreichischen Films der frühen 1930er-Jahre. Kein Wunder also, dass er fast zu Eis erstarrt, als ihn Paula Wessely in der Liebeskomödie „Maskerade“ (1934) anspricht. Ob er nicht vielleicht der Herr vom Eislaufplatz sei, „der immer im gesprenkelten Sweater herumläuft?“ Peinlich für die naive ­Schöne – doch der gerechte Ausgleich erfolgt am Ende. Wenn eine Liebeserklärung den stets distanziert auftretenden Wohlbrück derart verlegen macht, dass er sie Wessely geradezu ins Gesicht brüllen muss.

Zeughauskino-Retrospektive: Wohlbrück brach kühle Fassade auf

Dieses Aufbrechen der kühlen Fassade war einer der interessantesten Aspekte der Schauspielkunst Adolf Wohlbrücks. Der, 1896 in Wien geboren, in den 20er-Jahren zunächst am Theater reüssiert hatte, dann jedoch noch größere Erfolge in den kultivierten Tonfilmkomödien der 1930er-Jahre feierte. Wohlbrücks Klasse und sein ironischer Witz machten ihn zur Idealbesetzung in den doppelbödigen Filmen von stilbewussten Regisseuren wie Reinhold Schünzel („Viktor und Viktoria“, 1933), Ludwig Berger und Willi Forst. 

Nach seiner Emigration (aufgrund seiner Homosexualität und seiner jüdischen Vorfahren) im Jahre 1937 setzte Wohlbrück seine Karriere in Großbritannien fort, darunter in absoluten Filmklassikern wie „The Red Shoes“ (1948) von Powell/Pressburger. Die Retrospektive im Zeughauskino zeigt von Wohlbrücks um die 50 Filmen etwa die Hälfte, die meisten davon in analogen Kopien.            


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