Kommentar

„Zweckoptimismus“ von Lars Penning

Lars Penning

Alle halbe Jahre zieht die Kino­branche Bilanz. Ende letzten Jahres befand man sich noch in Champagnerlaune, denn Einspielergebnis und Besucherzahlen befanden sich auf Rekordniveau. Die Kinowelt war schön. Vor allem schön lukrativ. Ein halbes Jahr später wird nun Alka Seltzer eingeworfen. Die Zahlen sind nicht mehr so toll, vor allem das zweite Quartal schwächelte. Denn 14,4 Prozent weniger Besucher sind kein Pappenstiel, und den deutschen Film traf es mit einem Minus von rund 40 Prozent anteilig noch viel härter.
Natürlich ergehen sich nun alle ­Beteiligten in Zweckoptimismus: Das Wetter war zu schön, dann gab’s noch die Fußball-EM, und ganz ­bestimmt wird das zweite Halbjahr besser. Kurzfristig soll es der Kinostart von „Ice Age: Kollision voraus“ richten. Das ist der mittlerweile ­fünfte Teil der Animationsfilmreihe, und schließlich waren die vorhergegangenen vier Teile auch Bombenerfolge. Doch genau hier liegt das Problem: Ohne die Erfolge des Blockbuster-Kinos geht gar nichts, es spielt die Zahlen – Rekord oder nicht – nämlich nahezu allein ein. Doch momentan wird weltweit bloß das fünfte Sequel oder das vierte Remake von etwas produziert, das früher mal erfolgreich war.
Irgendwann wird die Blase dieses immer kostspieliger werdenden Nummer-Sicher-Kinos platzen. Klar, der Zuschauer  hat einen Hang zum bereits Bekannten, aber blöd sind die Leute ja auch nicht: Bis in alle Ewigkeit immer das Gleiche anzusehen, darauf hat niemand Lust. Und was dann? Die Kinobranche hat ­darauf noch keine Antwort.

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