Familienepos

„Zwei Herren im Anzug“ im Kino

Geschichtspotpourri: Sepp Bierbichler hat seinen Roman verfilmt

X-Verleih

Der See, die Kähne, das Wirtshaus am Ufer. Nach dem Leichenschmaus für seine Frau Theres sitzt Gastwirt Pankraz mit dem erwach­senen Sohn Semi in der Gaststube. Erinnerungen stürzen auf sie ein. Dem Sohn geht es um die Hitlerei und warum er vom Vater stets verstoßen wurde; der Vater taucht weiter in die Vergangenheit, will sich, seine Herkunft, die Heimat und überhaupt alles verstehen.

Josef Bierbichler (Foto, li.) hat seinen ­Familien- und Heimatroman „Mittelreich“ selbst verfilmt, er und sein leiblicher Sohn ­Simon Donatz ­spielen in zwei Generationen jeweils Vater und Sohn. Bierbichler ist in dem Gasthaus am See aufgewachsen, das er auch ­heute noch ­betreibt, weist aber allzu enge biografische Parallelen von sich. Im Film geht’s ihm ums deutsche Ganze, um die Spanne vom Ersten Weltkrieg bis in die frühen 80er-Jahre.

Einmal, nach einem grotesken Nachkriegskostümfest, steht Pankraz wie bei Richard Wagner am sturmumtosten See und schreit sich mit „Du verfluchtes, elendes Erbe!“ den Frust des fremdbestimmten Lebens von der Seele. Bierbichler setzt diesen deutschen ­Reigen bild- und wortgewaltig um, scheut ­zwischen poetischen Tableaus, Bauerntheater und einigen drastischen Sequenzen weder Kunst noch Kitsch und serviert – mit ein paar Längen – ein so wuchtiges wie barockes ­Geschichtspotpourri, das einen aufwühlt und staunen lässt. Mit Zutaten von Heiner Müller, Goethe, Beckett oder Achternbusch. Und Blasmusik von Richard Wagner und der grandiosen Kombo Kofelgschroa.

Zwei Herren im Anzug D 2018, 139 Min., R: Josef Bierbichler, D: Josef Bierbichler, Martina Gedeck, Simon Donatz, Irm Hermann, Start: 22.3.

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