Die Welt ist in Bewegung. Das ist als ­Befund nicht neu, tatsächlich war die Welt wohl immer in Bewegung. Aber für die Berlinale hat dieser Befund eine besondere Bedeutung. Das jüngste der großen ­Traditionsfestivals stammt schließlich aus einer Ära, die man immer wieder auch mit Stillstand und Erstarrung assoziiert hat: Seit 1951 bezog die Berlinale einen nicht ­geringen Teil ihrer Identität aus dem Umstand, dass sie in einer der Frontstädte des Kalten Krieges stattfand, und dass in Berlin im Juni, später dann im Februar nicht die wichtigsten, aber doch immer wieder relevante ­Depeschen zwischen dem (freien?) Westen und der Welt hinter dem Eisernen Vorhang ausgetauscht wurden.

Inzwischen ist die Welt multipolar, und mit ein bisschen Hang zur Pointe könnte man sagen, dass dies auch die Signatur der Ära von Dieter Kosslick ist: Er hat die Berlinale aus der Ordnung ihrer langjährig eingeführten Rubriken und Sektionen geholt und sie mit viel Drumherum und einer reichlichen ­Dosis Subventionskommerz multipolar werden lassen. Bei allen Debatten um eine Neuausrichtung der Berlinale könnte man beinahe übersehen, dass die Form des Festivals das entscheidende Kriterium selbst enthält: Es überführt die Bewegung der Welt in eine ­Bewegung zwischen Vorführungen.

Diese Bewegung so zu nützen, dass ­daraus im Idealfall besseres Kino (und ­wenigstens eine etwas bessere Welt) wird, wäre schon ein guter erster Ansatz für eine Neuausrichtung – und die kann auch dieses Jahr (im kritischen Dialog) mit Dieter Kosslick, mit der neuen Leitung des Panoramas (Paz Lázaro, Andreas Struck und ­Michael Stütz sind die Nachfolger von Wieland Speck), oder mit einer Retrospektive, die einen neuen Blick auf die Weimarer Republik wirft, getrost schon beginnen.


Die Reihen der Berlinale