Musik & Party in Berlin

Kitty Solaris

Kitty Solaris’ neues Album heißt "We Stop The Dance" und ist doch prima tanzbar.

KittySolaris_c__gedreht_promoNun hat es auch Kirsten Hahn getroffen: die Plage namens Gentrifizierung, die den Heimatkiez der Songschreiberin im Prenzlauer Berg schon seit einer Dekade im Griff hat. Seit Mitte der Neunziger lebt die gebürtige Hessin hier; doch wie lang sich Hahn alias Kitty Solaris mit ihrem kleinen Label Solaris Empire noch am angestammten Platz wird halten können, ist nach dem Verkauf ihrer vier Wände ungewiss. Ob das drohende Ende des kleinen Künstlerrefugiums der Grund für den verdrießlichen Titel ihres Albums ist – „We Stop The Dance“ heißt es –, ist nicht näher überliefert.

Wörtlich kann die Verweigerung jedenfalls nicht gemeint sein, denn auf dem Album finden sich ein paar höchst tanzflächenaffine Popsongs: allen voran das Titelstück, das wohl nicht zufällig ähnlich benannt ist wie der Achtziger-Hit von Bryan Ferry und auch stilistisch an eisgekühlten Retro-Synthpop angelehnt ist. Dann wäre da der lässige Groover „17“ mit seiner gewinnenden Bubblegum-Pop-Zeile „All I wanna do is to kiss you, kiss you“. Generell zieht sich durch das vierte Werk der 43-Jährigen eine charmante Absage an den verbreiteten Modus „älter und langweiliger“ zu werden.

Darin erinnert der von Synthies, Flöte und kleinen Rockgitarren-Einsätzen flankierte Lo-Fi-Pop der Berlinerin an das Album „Sun“ von Cat Power. Das erwies sich ebenfalls als heimlicher Discofeger im lockeren Do-it-yourself-Stil. Entsprechend abfeiern lässt sich auch zu Kitty Solaris’ Minimal-Pop – vielleicht an besten im eigenen Wohnzimmer auf dicken Socken. Und wenn das eines Tages im Prenzlauer Berg nicht mehr erlaubt sein sollte, dann eben woanders; so ein Mini-Empire ist schließlich beweglich.