Kommentar

„Klassenkeile“ von Erik Heier

Wäre Rot-Rot-Grün eine Schulklasse, müsste die Lehreraufsicht auf dem Pausenhof derzeit ein bisschen mehr achtgeben. Denn der Streit um die Finanzierung der Privatschulen, den SPD und Grüne gerade überaus rauffreudig austragen, verheißt einige Klassenkeile

Erik Heier

Die Grünen möchten Berlins Privatschulen besser finanzieren als bisher. Was natürlich für ihre Klientel Sinn macht. Von der Montessori-Kita wechselt man in Kreuzberg ja auch nicht rasend gern auf eine öffentliche Schule. Damit stellt sich die grüne Fraktion gegen die SPD-Kollegen. Die wollen jenen Privatschulen die Gelder kürzen, die keine Kinder aus ärmeren Familien aufnehmen, und jene Schulen belohnen, die es tun. Der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck fand heraus, dass nur 3,7 Prozent der Schüler an den 100 befragten Privatschulen lernmittelbefreit sind. Letzte Woche lieferte er sich mit Marianne Burkert-Eulitz von den Grünen ein Twitter-Gefecht, für das Mitleser viel Popcorn brauchten: „Hat dir die Privatschulen-Lobby den Stift gehalten, als Du Deinen Antrag geschrieben hast?“, schrieb er. Beide, SPD und Grüne, wollen mehr soziale Durchlässigkeit der Privatschulen. Die SPD setzt auf Zwang, die Grünen auf Vollfinanzierung. Denn das staatliche Geld, das den Schulen fehlt, holen die übers Schulgeld rein. Damit sind sie noch weniger erschwinglich für Ärmere. Es ist so: Privatschulen sind bei denen beliebt, die ihre Kinder dort hingeben. Alle anderen verachten sie als elitär. Aber zehn Prozent der Kinder gehen auf diese Schulen. Das staatliche System könnte sie gar nicht aufnehmen. Es kriegt ja kaum die übrigen Kinder vernünftig unter.

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare