Kunst und Museen in Berlin

Klaus Winichner in der Kleinen Orangerie

Geflickt mit Beton: Klaus Winichner untersucht die Spuren der Körper in der Kleinen Orangerie

In der Mitte der Kleinen Orangerie schmiegen sich drei Matratzen aneinander. Zwei wirken intensiv genutzt, offenbaren ihr Innenleben: nackte Federkerne, Isolierschaum, bunte Stoffreste als Füllstoff, ein Bildband, aufgeschlagen ein plastischer Frauenakt. Notdürftig fixiert werden diese aufgeschlitzten Hinterlassenschaften mit einer amorphen Betonmasse. Ausdrücklich begreift Klaus Winichner sein Ensemble als „Körper im Raum“ – seine bündige Definition von „Skulptur“. Schließlich hat der menschliche Leib auf der weichen Unterlage jahrelang seine Spuren hinterlassen wie Meereswellen im Sand. „Sofferte onde serene“ (frei übersetzt „erlitten heitere Wellen“), geborgt aus einer Klavier-Tonband-Komposition Luigi Nonos, lautet passenderweise der Ausstellungstitel.

Ein Knabe taumelt etwas ungelenk auf einem Sternenpostament, überzogen mit eigentümlich schimmerndem Polyester. Ihm antwortet in einigem Abstand eine zweite Statue, die in ihrer Pose frappierende Ähnlichkeit aufweist mit Berninis Apoll. Allerdings verströmt sein leicht geöffneter Mund im farbverschmierten Antlitz das blanke Entsetzen. Was schreckt ihn bloß so? Es ist die Spannung zwischen den Erinnerungsspuren an ein inniges Verhältnis und dessen schmerzhaften Verlust, den Winichner intensiv fühlbar werden lässt.   

Text + Foto: Martina Jammers

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Kleine Orangerie Charlottenburg Spandauer Damm 22, Charlottenburg, Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa+So 12-18 Uhr, bis 18.7.2010

 

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