Kommentar

Weg damit: Schafft die privaten Kleingärten in Berlin endlich ab!

Mit der Corona-Pandemie ist in Berlin auch der Kleingarten-Hype ausgebrochen. Doch die meisten Berliner*innen haben keine Chance, eine Parzelle abzubekommen. Lange Wartezeiten, überhöhte Abstandszahlungen, wenige Flächen für noch weniger Erholungsuchende. Das unfaire Konzept soll jetzt gesetzlich verankert werden. Dabei wären Gemeinschaftsgärten viel zeitgemäßer – und würden den überstrapazierten Parks auch Entlastung bringen. Ein (utopischer) Kommentar zu den Kleingärten in Berlin von Max Müller.

Städtische Schrebergärten sind heute überholt, in Berlin sollten die Kleingärten abgeschafft werden. Laubenpieper dürfte diese Forderung nicht freuen. Foto: Imago/Snapshot
Städtische Schrebergärten sind heute überholt, in Berlin sollten die Kleingärten abgeschafft werden. Laubenpieper dürfte diese Forderung nicht freuen. Foto: Imago/Snapshot

Die rot-rot-grüne Koalition betreibt Klientelpolitik und will die Mehrheit der Kleingärten in Berlin gesetzlich schützen lassen. Dafür sollen die Laubenpieper Kompromisse eingehen. Es wird über Schulungen, Begehungen, Parzellenteilungen und den öffentlichen Zugang zu Gemeinschaftsflächen für Nachbar*innen diskutiert.

In den kommenden Monaten dürfte sich zeigen, ob und in welchem Maße die Kleingärtner*innen in die Pflicht genommen werden. So oder so ist das angedachte Gesetz ein Sieg für die Kleingärtner*innen. Für die große Mehrheit der Berliner*innen ist es hingegen eine herbe Enttäuschung. Ihnen bleibt nichts als der neidische Blick über den Gartenzaun.

Dabei ist das Konzept einfach unzeitgemäß. Und in höchstem Maße unfair. Im „Tagesspiegel“ wird sogar ein Stadtplaner zitiert, der Kleingärtner*innen als asozial bezeichnet. Tatsächlich gehören Kleingärtner*innen zu einem elitären Kreis. Sie hocken auf öffentlichen – also uns allen gehörenden Flächen –, die sie über die diversen Vereine zu einem Spotpreis angemietet haben. Da kann man sich durchaus die Frage stellen, ob das sozial ist.

Radikale Forderung: Kleingärten in Berlin müssen in Gemeinschaftsgärten umgewandelt werden

So weit muss man aber gar nicht gehen. Die Probleme liegen auf der Hand: Es gibt zu wenig Gärten für noch weniger Berliner*innen. Wer einmal eine Parzelle ergattert hat, gibt diese nicht mehr her – egal ob der Boden im Sinne der Artenvielfalt und Ökodiversität beackert wird oder man dort nur im Liegestuhl chillt, im Pool plantscht oder den Grill anheizt. Daran werden auch Schulungen nicht helfen, die Realität sieht nun einmal anders aus.

Es wird höchste Zeit, die Kleingärten in Berlin abzuschaffen. Was spricht auch dagegen? Die freiwerdenden Flächen sollten in öffentliche Parks umgewandelt werden, mit allem was dazu gehört – mit Grillplätzen, Gemeinschaftsbeeten, womöglich öffentlichen Lokalen, die man auch für Familienfeiern anmieten kann. Geht nicht? Schaut nur aufs Tempelhofer Feld und ihr werdet eines Besseren belehrt!

Und wer weiß, vielleicht lässt das Land auch noch das eine oder andere neue Freibad springen. Dann kann man sogar richtig Bahnen ziehen, statt sich nur im Kreis zu drehen. Im Gegenzug dürfte Berlin Teile der freiwerdenden Flächen nutzen, um den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln, der ja durch den Mietendeckel (es erwischt immer die Falschen!) eh ausgebremst ist. Und klar, auch neue Schulen und Kindergärten könnten unbürokratisch errichtet werden. Win-win-win für alle.

Und wer es doch privat mag, muss halt die Stadtgrenze verlassen. Denn in Sachsen-Anhalt oder Görlitz gibt es genügend verlassene Parzellen, die auf neue Nutzer*innen warten. Klar ist der Weg weiter, fairer wäre es aber allemal.


Bereits zu den Hochzeiten von Corona haben wir uns gefragt, wie voll die Kolonien sind. Die Ergebnisse dieser Recherche: mehr als ernüchternd. Wer es trotzdem versuchen will, findet hier Tipps, wie man zum idyllischen Schrebergarten kommt. Übrigens: Wer doch einen Kleingarten hat, findet in diesen schönen Gartencentern alles, was er zum Glück braucht.

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