Konzerte & Party

10 Jahre Watergate

watergater_c_mike_breeuwerEs gibt Themen, die machen Steffen Hack echt wütend: Die Gema zum Beispiel oder Gentrifizierung in Kreuzberg. Ein Stichwort reicht aus und der 48-Jährige redet sich richtig in Rage, dann sagt er Sachen wie „Kreuzberg war und ist immer noch mein Lieblingskiez, aber bald ziemlich sicher nicht mehr!“ Beim Thema Gema werden seine Sätze dann auch schon mal länger: „Damit uns Clubbetreibern nicht langweilig wird, hat die Gema jetzt noch einen Karnevalsscherz vorbereitet und schon vor dem 11.11. ihre gagaistische sogenannte Tarifreform veröffentlicht, nach der wir sage und schreibe über 1?500 Prozent mehr zahlen und das in einen Topf, der umgangssprachlich als Dieter-Bohlen-Topf bekannt ist, da die Produzenten, die bei uns im Club gespielt werden, zu 0 Prozent erfasst und abgerechnet werden und somit nichts an eben diese Produzenten ausgeschüttet wird, wir zahlen also in den Millionärstopf!“

steffen_hack_c-benjamin_pritzkuleitDass Steffen Hack sich derartig aufregt, ist verständlich: Von den Veränderungen des Berliner Stadtbildes und nicht zuletzt von der Gema-Tarifreform ist seine Existenz abhängig. Er ist der Betreiber des Watergate in Kreuzberg. Ein Club, der in jedem Reiseführer auftaucht und oft in einem Atemzug mit dem Berghain, dem Kater Holzig und dem Weekend genannt wird. In diesem Sommer feiert das Watergate sein zehnjähriges Jubiläum. „Natürlich haben auch wir Clubbetreiber unseren Teil zu dem Kreuzberg, wie es heute ist, beigetragen. Das sehen wir durchaus auch kritisch. Aber wir versuchen das Beste daraus zu machen.“ Dass er mal einen weltweit bekannten Club betreiben würde, das hätte er nie gedacht. „Das war auch gar nicht unser Ziel“, sagt er heute. Mit 17 Jahren schmiss Stoffel, wie Hack von seinen Freunden genannt wird, die Schule, verließ seine Heimatstadt Stuttgart und machte sich auf nach Berlin. Seine süddeutsche Herkunft hört man ihm nicht an: „Meine Eltern haben immer darauf geachtet, dass wir hochdeutsch sprechen.“ Sowieso fühlt er sich längst als Berliner, immerhin hat er zwei Drittel seines Lebens hier verbracht. Damals, als er 1982 in der geteilten Stadt ankam, sei Berlin mit seinen besetzten Häusern, Kellerclubs und den vielen Freiräumen ein Schlaraffenland für junge Leute mit eigenen Vorstellungen gewesen, erzählt er.

Steffen Hack fing bald an, Partys zu organisieren, zum Beispiel im WMF. 2002 dann beschloss er zusammen mit Ulrich Wombacher und Niklas Eichstädt einen eigenen Club aufzumachen. Eine Location war schnell gefunden: an der Oberbaumbrücke, auf der Kreuzberger Seite. „Weil sich die Szene hauptsächlich im Osten abspielte, waren alle skeptisch“, sagt Hack. „Und tatsächlich konnten wir anfangs niemanden so richtig überzeugen.“ Aber die drei gaben nicht auf. Heute hat Hack ein Team von 18 festen Mitarbeitern um sich geschart, zum Club gehört außerdem eine Agentur und ein Label.  
Nicht nur von der Gema-Tarifreform fühlt sich Steffen Hack ganz persönlich angegriffen, weil sie das bedroht, was er sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Ähnliches gilt für die Veränderungen im Kreuzberger Stadtbild: „Wir haben jetzt eine Schallschutzwand und zur Spree hin Doppelverglasungen. Weil immer mehr Menschen mit anderen Vorstellungen von Nachtruhe und Zusammenleben hierherziehen“, sagt er. „Unser Standort ist nicht sicher. Sowieso gibt es keine planerische Sicherheit für Clubs.“ Die aber hätte Steffen Hack gerne: „Klar, das gilt doch für alle Unternehmen, man kann doch nicht alle zwei, drei Jahre von vorne anfangen. Eine Firma gründen, über Jahre ein Team aufbauen, das macht man höchstens zwei Mal im Leben“ sagt er, und „wenn es möglich ist, dann will ich mit dem Laden alt werden“.

Text: Katharina Wagner

Fotos: Mike Breeuwer (oben), Benjamin Pritzkuleit (Hack)

10 Jahre Watergate
Sa 18.8., 20–22 Uhr,
Henrik Schwarz und Band live auf der Spreeterrasse, Eintritt frei, anschließend ab 24 Uhr, Party mit Sebo K & Friends  

Mi 22.8., ab 24 Uhr, Tiefschwarz, Oliver Koletzki, M.A.N.D.Y. und andere      

Fr 24.8., ab 24 Uhr, Dixon (Innervisions) – All night long

 

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