Konzerte & Party

15 Jahre Sonar Kollektiv

jazzanovaMan stelle sich mal vor, da feiert ein Label sein Jubiläum und ausgerechnet der A&R kann nicht dabei sein. Dafür gibt es eigentlich keine Entschuldigung. Alex Barck aber muss kein schlechtes Gewissen haben, weil er die Party aus Anlass des 15-jährigen Bestehens von Sonar Kollektiv verpasst. Bei ihm ist ein Auslandsaufenthalt dazwischengekommen. Er und seine Familie sind für ein ganzes Jahr auf die französische Insel La Rйunion im Indischen Ozean gezogen. Seine Frau ist Lehrerin und hatte die Möglichkeit, an einem Austauschprogramm teilzunehmen. Für Barck kein Problem, er kann per Computer in Kontakt mit der Heimat bleiben.

Ungewöhnlich ist dieser Umzug ohne Frage. Aber was ist bei Sonar Kollektiv schon normal? Das Label sei für Barck „schon immer krisengeschüttelt“ gewesen. In den letzten fünf Jahren besonders. „Es gab da einen Punkt, da hätten wir fast zugemacht. Das war zu unserem letzten Jazzanova-Album („Of All The Things“, 2008, A. d. Verf.) hin. Da waren wir nur noch unterwegs und konnten nicht mehr gut für Sonar Kollektiv arbeiten. Wir mussten einen Schnitt machen. Durch Vertriebspleiten ist viel Geld den Bach heruntergegangen. Wir hatten zwischenzeitlich auch den Überblick verloren. Es ging so weit, dass ich Platten auf dem Tisch gesehen und mich gefragt habe: Von wem ist das denn? Das erscheint bei uns? Warum weiß ich davon nichts?“ Dann fanden Barck und seine Kollegen aber doch einen Weg, wie alles besser geht. Sie arbeiten jetzt fest mit nur noch zwei Mitarbeitern, mit einem Label-Manager und einem Buchhalter. Die Kölner Firma Alive übernimmt den Vertrieb. Auch die Veröffentlichungspolitik ist eine andere. „Wir arbeiten jetzt meistens mit Leuten aus der Live-Band von Jazzanova (Foto). Es hat sich herausgestellt, dass man eine bessere Synergie-Wirkung erreicht, wenn man die Musiker näher kennt. Da passiert mehr als bei einem internationalen Künstler, dessen fertige Produktion man einfach nur rausstellt.“

Freuen darf man sich auf ein Album von Dego McFarlane, der sich als eine Hälfte von 4hero einen sehr guten Namen gemacht hat. Dego hat schon beim Sonar-Kollektiv-Showcase im Rahmen der letzten Berlin Music Week aufgelegt. Derlei Veranstaltungen, egal ob nun unter dem Namen des Labels oder unter „Kaleidoscope“, wird es in nächster Zeit nicht so oft geben. Einmal deshalb, weil Barck zurzeit nicht in Berlin ist und Label-Leiter Jürgen von Knoblauch seine Zelte im amerikanischen Savannah aufgeschlagen hat. Abgesehen davon sei es in Berlin auch nicht mehr so einfach, Läden und Leute zu finden, mit denen man einen regelmäßigen Abend auf die Beine stellen kann. „Ein Gerrit Schulz vom WMF hat uns immer toll unterstützt. Ihm hat die Musik gefallen und er wollte unbedingt was mit uns machen, auch wenn es sich für ihn nicht immer gerechnet hat. Jetzt sind an seiner Stelle Leute am Werk, die in dieser Stadt Geld machen wollen. Mit Musik, die voll nach vorne geht. Dagegen kann man am Ende nichts sagen: Leute, die erfolgreich sind, haben eh recht.“ Auf La Rйunion ist für Barck vieles leichter, da hat man ihm als Unbekannten schon nach kürzester Zeit eine Residency angeboten. Auch eine erste Aufnahmesession mit örtlichen Musikern ist fest vereinbart. Mehr werden wir davon erfahren, wenn Barcks erstes Soloalbum bei Sonar Kollektiv erscheint.

Text: Thomas Weiland

Sonar Kollektiv mit Jazzanova, Micatone, Paskal & The Urban Absolutes, Red Rack’em Volksbühne, Fr 12.10., 20 Uhr, VVK: 22 / 18 Ђ (erm.) zzgl. Gebühr 

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