Konzerte & Party

„1989 – 2000 Clublegenden“ und „Clubnacht“ in Berlin

E-Werk

„Wer feiert, gibt Geld aus“ – Das Berliner Stadtmarketing hat die Clubs entdeckt. Renй Gurka, 38, ist der Geschäftsführer der Berlin Partner GmbH. Zusammen mit der Club Commission veranstaltet diese ein Wochenende mit Partys und einer Fachtagung zum Stand der Clubkultur.

tip Herr Gurka, sind Sie schon mal auf einer Techno-Party gewesen?
Renй Gurka Sicher! Wobei der Begriff natürlich viele verschiedene Formate beschreibt. Früher war ich von der Love Parade überwältigt. Mit Freunden habe ich eine Zeitlang selbst „Partys mit elektronischer Musik“ veranstaltet. Heute gehe ich gerne in Clubs wie das Watergate, Tresor und natürlich das Berghain. Im Sommer hat Berlin mit der Bar25 und mit dem Club der Visionäre Plätze zu bieten, die einmalig auf der Welt sind. Aber seitdem unser Baby auf der Welt ist, sind meine Nächte nicht mehr nur wegen Clubtouren schlaflos.

tip Wie wird sich die Fachtagung einem so sinnlich erfahrbaren Thema nähern?
Gurka Es wird einen kritischen Rückblick auf die vergangen 20 Jahre geben. Der wird besonders anschaulich, weil Personen zu Wort kommen, die die Berliner Musikgeschichte aktiv mitgeprägt haben. Und wir werden uns auch über die Zukunft der Berliner Clubkultur austauschen. Die ist in einem so schnellen Wandel begriffen, dass die Aussichten garantiert kontrovers diskutiert werden. Auf der Tagung werden Szenegänger und Fachleute aus Medien, Musik und Wirtschaft über den Musikstandort Berlin debattieren. Dabei geht es um harte Fakten und ums Geschäft. Sinnlich erlebbar wird das Thema dann in der Clubnacht am Wochen­ende. Da habe ich keine Sorge …

tip Wie bedeutend ist die Clubszene für Berlins Wirtschaft? Kann man das in Zahlen ausdrücken?
Gurka Die Musik- und Clubszene Berlins hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwi­ckelt. Die etwa 300 Clubs, Lounges und Konzerthallen beschäftigen rund 8000 Personen und erwirtschafteten im Jahr 2005 einen Umsatz von ca. 170 Millionen Euro. Die Bar25 zum Beispiel ernährt im Sommer über 100 Mitarbeiter und erwirtschaftet in nur fünf Monaten über eine Million Euro Umsatz. Die Branche nimmt weiter an Bedeutung zu. Die Clubs ziehen unzäh­lige Touristen an. Sie sind auch Durch­lauf­erhitzer für die Musikszene. Das und die Effekte auf Musik­labels und -verlage, Messebetreiber, Booking­agenturen und Musikmedien in Berlin sind nicht zu vernachlässigen, wenn auch schwer in Zahlen auszudrücken.

tip Ist das Berlin-spezifisch?
Gurka Ja, keine andere Stadt der Welt profitiert momentan so von ihrer lebendigen Clubkultur wie Berlin. Es ist die Stadt für Partygänger aus aller Welt. Das britische Musikmagazin „DJ Mag“ verortet sechs der 100 besten Clubs weltweit in Berlin.

tip Ist Feiern denn überhaupt eine Kultur?
Gurka Klar, Popkultur. Und wer feiert, gibt Geld aus und bringt nicht nur den eigenen, sondern auch den ökonomischen Kreislauf in Schwung.

tip Wie hat sich dieses Verständnis verändert?
Gurka Popkultur und Clubs werden nicht mehr nur als Freizeitbeschäftigungen oder Subventionsempfänger wahrgenommen, sondern als realer Wirtschaftsfaktor.

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