Konzerte & Party

„2 Jahre Sub:Stance“ im Berghain

Mala

Wer ist dieser Typ mit den langen Rastas, und was um alles in der Welt hat er auf dem Podium vor diesem kulturbeflissenen Publikum der Tate Gallery in London zu suchen? Im Halbdunkel des kühlen Saales greift plötzlich ein Fingerpaar nach dem Tonarm und entfesselt ein sattes Gewitter aus galoppierenden Drums, archaischen Bläsern und einem unmittelbar physisch spürbaren Bassdruck. Was Mark Lawrence aka Mala den Besuchern der Tate-Gallery gerade vorspielt, ist seine musikalische Interpretation eines Gemäldes von Chris Ofili. Klar, dass sich der Dubstep-Produzent aus dem Süden Londons dazu ausgerechnet das düsterste Gemälde von Ofili herausgesucht hat, gilt er doch als Spezialist für atmosphärischen, aber dennoch tanzbaren Dubstep. In mystisch leuch­tenden Blautönen zeigt „Strangers From Paradise“ eine Reiterszene, deren musikalisches Gegenstück, hat man es erst einmal gehört, treffender nicht klingen könnte. „Meine Musik ist generell ziemlich minimal und hat nicht unbedingt einen gewaltigen Spannungsbogen und viele verschiedene Farben, denn sie ist irgendwie subtil – verstehst du?“ erklärt Mala seine Art des Produzierens.
MalaErst seit fünf Jahren veröffentlicht der ehemalige Fußballspieler und Betreiber der beiden Labels DMZ und Deep Medi Musik seine Platten und ist dabei unversehens zum Mitbegründer desjenigen Musikstils geworden, dem man nun mit dem Begriff Dubstep ein Etikett aufzudrücken versucht. Dabei verhält sich sein Bekanntheitsgrad umgekehrt zur spärlichen Anzahl der Veröffentlichungen, die das Prädikat „built by Mala“ tragen. Unverkennbar ist den wenigen Stücken Malas Handschrift, die sich durch die Einflüsse von frühem UK-Hardcore, Jungle, Reggae und vor allem Dub geformt hat. Über allem aber thront natürlich der Dubstep-typische, saftige Bass, und so kündigt sich auch die monatlich im Brixtoner „Mass-Club“ stattfindende Party seines Labels DMZ mit dem Spruch „Come meditate on bass weight“ an. Eigensinnig ist Mala auch beim Auflegen: Wie die DJs in den Neunzigern lässt er noch immer für 30 Pfund pro Stück Dubplates pressen. Von den kurzlebigen Platten aus Acetat sind für gewöhnlich nur sehr wenige im Umlauf, und nur die allerwenigsten dieser Stücke landen irgendwann auf Vinyl, geschweige denn in den Plattenläden.
Er sei kein Gegner des digitalen DJ-ings, vielmehr sei es jedem Künstler selbst überlassen, wie er seine Nächte bestreitet. Mala hat für sich jedoch entschieden, dass er als DJ die Magie einer Clubnacht vor ihrem digitalen Verschleiß bewahren will. Der Moment soll wieder wertvoller, ja, lebenswerter werden und zwar aus der Gewissheit heraus, dass die Wahnsinns-Platte, die gerade läuft, nirgendwo zum Download bereitstehen wird und man sie im Leben vielleicht nur einmal, hier und jetzt hören wird. Und so blieb auch „Strangers From Paradise“ bislang ein Dub­plate, das nie kommerziell in Serie ging und dessen einmalige Magie sich an jenem Tag in der Tate-Gallery entfalten sollte.

Text: Lucas Negroni

2 Jahre Sub:Stance mit Mala, Monolake, Scuba, Mount Kimbi u.a., Berghain, Fr 9.7., 23 Uhr, AK: 12 Euro

Panorama Bar: MJCole + Idiut Boys + SCB + John Osborn + Paul Spymania

Mehr über Cookies erfahren