Konzerte & Party

20 Jahre Fisch-sucht-Fahrrad

Fisch sucht Fahrrad

Wenn Anja, 36, und Loreen, 44, gemeinsam ausgehen, dann ist ein toller Abend meistens garantiert. Was vor allem daran liegt, dass die beiden besten Freundinnen die Sache mit klarer Entschlossenheit zum Amüsement angehen. „Jede von uns ist ganztags berufstätig und alleinerziehend“, sagt Loreen. „Da findet man eher selten Zeit nur für sich.“ Logisch, dass die beiden an freien Abenden nur solche Orte ansteuern, an denen keine bösen Überraschungen drohen: nervige Musik, gelangweilte Gäste, spießiger Dresscode. Oder ein Publikum, das halb so alt ist wie die beiden selbstbewussten Blondinen.
Fisch sucht FahrradSeit ein paar Jahren gehören Anja und Loreen zu den Stammgästen der Fisch-sucht-Fahrrad-Partys (FsF). Auch wenn sie es nur unregelmäßig zu den eigentlich alle zwei Wochen stattfindenden Events schaffen, die vom BKA-Zelt über die Kalkscheune bis zuletzt ins Pirates im Mühlenspeicher wanderten. Doch wenn es mal so weit ist, wissen die beiden Frauen, was sie an den FsF-Partys haben. „Die spielen unsere Musik, die Musik der 80er- und 90er-Jahre“, sagt Loreen. „Und wir können tanzen, tanzen, tanzen.“ „Man kann dabei den ganzen Druck der Woche hinter sich lassen“, ergänzt Anja. Dass sich bei den FsF-Partys auch mal ein Flirt mit einem netten Mann ergibt, gilt bei den beiden als angenehme Begleiterscheinung.
Schon lange vor 1994, dem Gründungsjahr der Fisch-sucht-Fahrrad-Party-Reihe, ahnte man beim tip, dass es in Berlin Bedarf an einer seriösen Single-Party gibt. Denn trotz des auch bereits vor 20 Jahren quirligen Nachtlebens der damals frischgebackenen Hauptstadt quoll vor allem eine Rubrik bei den tip-Kleinanzeigen über: Lonely Hearts, „M sucht W“ und „W sucht M“. Dort inserierten Leute, darunter auch viele Neu-Berliner, die dem Zufall auf die Sprünge helfen und mögliche Partner gezielt kennenlernen wollten. Auch, weil sie es sich, etwa wegen beruflicher Verpflichtungen, nicht mehr leisten konnten, sich wochenlang die Nächte um die Ohren zu schlagen.
Fisch sucht Fahrrad„So mancher Location-Betreiber hat anfangs die Nase gerümpft, als wir vor 20 Jahren begannen, einen Veranstaltungsort für die geplanten Fisch-sucht-Fahrrad-Partys zu suchen“, erzählt Elke Hemmen, die von Anbeginn an zum FsF-Organisationsteam gehört. Denn bevor Onlinedating zum allseits akzeptierten Weg der Partnerfindung avancierte, haftete der gezielten Suche etwas von „Resterampe“ an: Nicht attraktiv genug, dass das Schicksal jederzeit mit ansehnlichen Interessenten zur Stelle ist? Vorurteile, über die man heute nur noch lächeln kann. Längst ist erwiesen, dass aktiv Partnersuchende zu den selbstbewussten Gewinnern zählen.
Auch der überwältigende Erfolg der FsF-Partys gleich beim Auftakt der Reihe bestätigte, wie sehr Großstadtmenschen bereits Anfang der 1990er-Jahre an Plattformen zum gegenseitigen Kennenlernen interessiert waren: Bei der Fisch-sucht-Fahrrad-Party lockte die Aussicht, kontaktfreudige Erwachsene im Alter zwischen Ende 20 und Anfang 50 in salopper Disco-Atmosphäre direkt von Angesicht zu Angesicht treffen zu können. Wer wollte und will, kann zusätzlich per Nummernspiel mit anvisierten Gästen unkompliziert Kontakt aufnehmen.
Fisch sucht FahrradEin Party-Konzept, das auch im Internet-Zeitalter immer noch bestens funktioniert. Uwe, 48, etwa hat wenig Lust darauf, sich für viel Geld von Online-Partnerbörsen mit einem angeblich passenden weiblichen Pendant matchen zu lassen. Nur, um bei einem späteren Treffen feststellen zu müssen, dass die Online-Angaben geschönt wurden. „Bei der Fisch-sucht-Fahrrad-Party kann ich rund um drei Dancefloors selber gucken, wer mir gefällt“, erklärt der Beamte, der mit einem Freund zur Party gekommen ist. „Zwei nette Frauen habe ich eben schon kennengelernt“, lächelt er. Sagt es und verschwindet wieder im Getümmel.

Text: Ute Kühn

Fisch sucht Fahrrad – Lichterfest Special Tour
Im Rahmen des Festival of Lights geht’s per Bus und Partyschiff durch das nächtliche Berlin. Start: Fr 17.10., 19.30 Uhr, am O2 World-Anleger in der Mühlenstraße. Ticket-Hotline: 0172-305?18?00 ?(Mo–Fr 10–18 Uhr), ?Vorverkauf: 40 Euro, ?begrenzte Teilnehmerzahl

www.fischsuchtfahrrad-berlin.de

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