Konzerte & Party

206 im Comet Club

206

Was veranlasst Musiker, sich nach einer Ziffer zu benennen? Etwa Zahlenmystik? Das passt vielleicht zum verkopften Anspruch, der oft hinter den nebulösen Texten steckt, doch weit gefehlt: 206 ist auch die exakte Knochenanzahl des menschlichen Skeletts. Da man sich als Hörer schnell unter den Mühlen des Molochs der modernen Gesellschaft zermahlen fühlt, die in Sänger Tim Völkers düsteren Worten auferstehen, käme das schon hin. Richtige Antwort ist dennoch: das Gesamtgewicht des Trios! Das klingt jetzt banal, ist aber bereits eine Absage an Markt-Anbiederung. Nicht viel Getue um Belangloses, der Inhalt zählt. Und der ist tiefgründig. Das Metier der Formation aus Halle ist nicht neu, bereitwillig wird sich mit Zorn und Weltschmerz durch abgemagerten Deutsch-Punk und NDW an einer Gesellschaft der Perspektivlosigkeit und Ja-Sager abgearbeitet. Da reiht sich 206’ Debüt „Republik der Heiserkeit“ nahtlos in die Klassiker von Fehlfarben oder Ja, Panik ein. Nicht zuletzt durch die Scharfzüngigkeit, die der satten Jugend abverlangt, den Arsch hochzukriegen. Kritiker meinen, die „Retter des Punk“ sind da. Kein leichtes Erbe. „Mir geht es darum, dass wir bewusst Sachen sagen und unsere Musik so machen, dass es die Leute vor den Kopf stößt, als dass sie sich darin wohlfühlen – wie eine Decke, die sie sich umlegen können“, definiert Tim Völker seinen Anspruch.

Text: Maik Werther

Foto: Ralf Kornman

206, Comet Club, Do 12.1., 20 Uhr, 12 Euro

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