Konzerte & Party

„Sounds Of The Universe“ von Depeche Mode

Depeche Mode Erst recht, wenn man wie Depeche Mode die Zeitmarke der Silberhochzeit überschritten hat. Zuletzt war sich das Trio bekanntlich noch ziemlich uneins über die gemeinsame kreative Zukunft. Das Album „Exiter“ markierte 2001 so etwas wie den Tiefpunkt einer lange eingefahrenen Ehe: über- raschungsfreie Routine. Dass mitunter nur ein hauchfeiner Unterschied besteht zwischen gelangweilter Arbeit und intakter Inspiration, zeigte dann „Playing The Angel“ mit seiner gifti­gen Industrial-Schale. Keine Neuerfindung zwar, doch war die Lust der Band spürbar, ihren Weltuntergangspop in neue Varianten zu überführen.
Ähnliches lässt sich von „Sounds Of The Universe“ sagen. Hier klingen Depeche Mode fraglos in jedem Moment nach sich selbst: Es gibt wie immer eine Ballade, die Martin Gore alleine singt; ein verträumtes Instrumental ist auch dabei. Und in den Zeilen, die Martin Gore und Dave Gahan mittlerweile gemeinsam anfertigen, schert sich die Band traditionell wenig um Perspektiven auf die Außenwelt. Stattdessen singt Gahan aufrichtig intensiv vom Ringen ums eigene Selbst und die Kosten, die auf der Reise mitunter anfallen. „There’s something wrong with me, it was the wrong plan in the wrong hands with the wrong theory for the wrong man“, sinniert er ernsthaft angepisst in „Wrong„; ein Song, der mit seinem eingängigen Retro-Synthiebeat und dem Groove der Alliteration auch gut 20 Jahre früher auf „Violator“ gepasst hätte. Allzu viele derart radiofreundliche Pfunde finden sich aber nicht auf dem Album.
Anstelle epischer Musik für die Massen überwiegen düstere, kunstvoll zerborstene Elek­t­ro-Sphären. „Comeback“ breitet sich als verhallte Noise-Impression aus, mit Gahans Stimme lediglich als weiterer Klangfarbe statt als melodiöser Fixpunkt. Auch „In Sympathy“ prägt sich weniger durch seine Song-Qualität ein als durch den Klang charmant betagter Synthies: Momente der Selbstfeier, die das Trio mit elegantem Understatement begeht.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Depeche Mode, Sound Of The Universe (Mute/­EMI)

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