Konzerte & Party

„Abschnallen“ von Hagen Liebing

Trägt dieser Mann da eigentlich einen Fallschirm durch die Gegend, weil er selbst noch im Konzertsaal Angst vorm Fliegen hat? Oder will er auf seiner Expedition zum Nanga Parbat gerade eben mal kurz in der Berliner Volksbühne halt­machen, um sich den Alt-Elektroniker Michael Rother anzugucken, hat aber keine Gelegenheit gefunden, das voluminöse Zweimannzelt, das er auf den Rücken geschnallt hat, vorher an der Garderobe abzugeben? Oder wollte der arme, vollbärtige Kerl womöglich Asyl beantragen, hat beim Lageso aber anstelle eines Schlafplatzes doch nur die Eintrittskarte fürs Konzert abbekommen, zu dem er nun mit dem gesamten Hausrat auf dem Rücken folgsam gewandert ist?
Und warum bitte bewegt er sich mit dieser Last erst hinein in den Saal, drängt sich kurze Zeit später wieder zurück aus dem ausverkauften Haus, um sich fünf Minuten später, jetzt auch noch mit einem Bier in der Hand und nach wie vor be-back­packed, wieder hineinzuzwängen? Ich gebe zu, Rucksäcke in der U-Bahn sind schon nervig, aber sie bei einem Konzert durch die Gegend zu schieben, das ist sogar eine extreme Zumutung.
Wenn also keiner der oben genannten Gründe vorliegen sollte, mögen Konzertbesucher ihr Reisemöbel doch bitte zu Hause lassen oder es wenigstens doch an der Garderobe abgeben, damit andere Menschen dadurch nicht hemmungslos belästigt werden.   “

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