Konzerte & Party

The Acid im Prince Charles

The Acid

Wer einen Fernseher besitzt und diesen auch benutzt, wird die Werbung von Sony kennen, mit der Geräte der 4K-Baureihe des Elektronikkonzerns vorgestellt werden. Es ist der Clip, in dem ein Vulkan Unmengen von buntem Konfetti ausstößt, das sich über einem Dorf in Costa Rica ergießt. Die dazu laufende Musik hat mit dem mittelamerikanischen Land nichts zu tun, dafür umso mehr mit unserer Stadt. Die PR-Strategen von Sony haben das Stück „Berlin“ von Ry X ausgewählt, das im Vorjahr fast unbemerkt auf einer EP veröffentlicht worden ist. Nun kennt es die ganze Welt.  
Ry Cuming, wie der aus dem Badeort Byron Bay stammende Australier richtig heißt, ist ein Weltenbummler. Wenn es bei uns kalt wird, verbringt er seine Zeit in Topanga in der Nähe von Los Angeles. Im Sommer lebt er mehrere Monate lang in Neukölln in der Nähe der Hasenheide. „Diese Aufteilung hat sich bewährt. In Kalifornien kann ich mich in aller Ruhe der Entwicklung meiner Songs widmen. An Berlin gefällt mir die Energie in den Clubs und Bars und die Musik, die dort zu hören ist. In dieser Stadt kann ich mich auch um die Veröffentlichung meiner Musik kümmern.“ Neben eigenen Aufnahmen unter dem Namen Ry X arbeitet Cuming mit Frank Wiedemann vom Deep-House-Duo Вme und Label Innervisions zusammen. Ein erstes Album haben die beiden gerade aufgenommen, es soll noch in diesem Jahr erscheinen. „Eigentlich ist es erstaunlich, dass es mit uns beiden funktioniert. Ich bin Sänger und Songschreiber und von Simon & Garfunkel, Jeff Buckley und den Grunge-Bands beeinflusst. Frank kommt aus der House-Ecke. Solche Unterschiede spielen am Ende aber keine Rolle. Ich schicke ihm einen Track und er antwortet einen Tag später mit seinem Beitrag. Alles läuft ganz umkompliziert.“
Im Augenblick gilt Cumings Interesse vor allem dem Trio The Acid, zu dem auch der englische DJ und Produzent Adam Freeland und der amerikanische Klangtüftler Steve Nalepa gehören. Im ersten Moment möchte man da den Begriff der Supergruppe bemühen, aber The Acid drehen auf ihrem ersten Album „Liminal“ überhaupt nicht so pompös auf, wie es bei Musiker-Zusammenschlüssen sonst gerne der Fall ist. Die drei Feinarbeiter haben sich dem minimalen elektronischen Soul verschrieben. Wer sich mit James Blake, Chet Faker oder Sohn angefreundet hat, wird beim Hören des Debüts von The Acid keine Verständnisprobleme haben. Das Trio hebt sich aber auch ab. In einigen Songs kommen überraschende, im ersten Moment bizarr erscheinende Störgeräusche ins Spiel, mit denen man nach sanftem und introvertiertem Einstieg nicht rechnen konnte. In „Creeper“ etwa verscheuchen hölzerne, laut dazwischen gehende Klänge aus einer alten Drummaschine die Gefahr von zu großer Gemütlichkeit. „Die Idee dazu geht auf meine Gedanken und Erfahrungen im Berghain zurück. Da stehen der düster anmutende Hauptraum und die freundlichere Panoramabar Seite an Seite. Ich empfinde das als vorbildlich. Zum Leben gehören helle und dunkle Aspekte. Es ist nicht immer alles schön und nett.“ Reibungspunkte wird es auch bei der Live-Show geben, dafür spricht allein schon die Besetzung. Cuming wird singen und Gitarre spielen, Nalepa liefert die Basslinien, Freeland bedient Perkussion und Synthesizer und ein Schlagzeuger ist ebenfalls dabei. Elektronische Langeweile findet woanders statt.

Text: Thomas Weiland

Foto: Toby Burrows

The Acid, ?Prince Charles, Mo 9.6., 21 Uhr, VVK: 16 Euro zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren