Konzerte & Party

Adel Tawil in der O2 World

Adel Tawil

tip Fühlt sich Ihr Solodebüt denn überhaupt an wie ein echter Erstling?
Adel Tawil Tut es. Es war für mich alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Ein Album unter meinem eigenen Namen habe ich schließlich noch nie gemacht. Ich+Ich gab es bis 2011, meinen ersten Plattenvertrag hatte ich 1996. Dazwischen hatte ich eigentlich nie Ruhe, um zu überblicken, was so passiert ist seit meiner Zeit mit The Boyz (die Berliner Boygroup, in der Tawil anfangs rappte – d. Red.) bis zu Ich+Ich. Nun liebe ich es einerseits, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten und ich hab auch auf „Lieder“ wieder viel mit anderen zusammen-gearbeitet. Dennoch ist es etwas anderes, wenn dein Name da steht. Du kannst dich nicht mehr verstecken. Vielleicht habe ich auch deshalb damit gewartet, weil ich mich vorher nie getraut habe. Denn mir war klar: Wenn ich so was mache, muss es persönlicher werden.

tip „Lieder“ haben Sie aus Sicht eines Mittdreißigers geschrieben. Gibt es einen großen Unterschied zu Ihrem Alter Ego Mitte 20?
Adel Tawil Ich hab damals viele Dinge als zu wichtig empfunden – Dinge, die es nicht waren. Es war für mich beispielsweise ein Riesenschock, in der zwölften Klasse die Schule abzubrechen für eine Boyband, oder später, als ich mein eigenes Studio aufbaute, die Erkenntnis: Da geht gerade gar nichts! Selbstständig zu werden war verdammt schwer. Kurz vorher, mit 17, warst du schließlich noch Teil dieser Band und dachtest: Wow, wir steigen in den Flieger, sind in Hotels, die Mädels schreien … Da waren wir im Grunde Jugendliche, die auf die Bühne gestellt wurden mit der Mission, den Mädels den Kopf zu verdrehen.

tip Eine Zeit, die Sie aber sicher auch genossen haben, oder?
Adel Tawil Klar, das hat man abgefeiert und sich damit identifiziert. Natürlich ist das der klassische Fehler, den man machen kann, wenn man im Entertainment-Business arbeitet. Ich musste wohl auf die Nase fallen danach. Mit Ich+Ich war es später perfekt. Dass wir beide nichts auf den Glitzer- und Glamour-Zirkus gegeben haben, war auch ein Grund dafür, warum Annette und ich so ein Superteam waren.

tip In Ihren Liedern beschäftigen Sie sich viel mit eigenen Abgründen, es gibt Motive rund ums Abgleiten und Untergehen. Verarbeiten Sie darin diese ersten miesen Erfahrungen?
Adel Tawil Das gehört dazu. Ich bin eigentlich jemand, der immer versucht hat, positiv zu denken. Aber genauso hell, wie ich sein kann, wird es auch manchmal dunkel. Ich kann mich noch erinnern, wie ich als 17-Jähriger im Hotelzimmer gelegen habe und dachte: „Was, wenn das alles weg ist?“ Das durfte einfach nicht passieren. Und dann war es einfach weg, plötzlich waren alle Türen auf einmal zu. Auf meiner Platte wollte ich auch davon erzählen, dass manchmal eben keine Tür aufgeht, wenn eine andere Tür zugeht. Da muss man durch. Und das geht leichter, wenn du in solchen Zeiten jemanden hast. Allein für die letzten zwei, drei Jahre müsste ich jeden Tag meiner Frau Jasmin Entschuldigung sagen: für die Gefühlswelten, durch die ich teils für die Platte gegangen bin.

tip Ihren Soloeinstand geben Sie nun direkt an den größten Adressen. Ein Happy End nach wechselvollen Zeiten?
Adel Tawil Dieses Zwischen-den-Welten-Sein ist und bleibt schwierig. Wenn man auf die Bühne geht und es abgeht – dieses Gefühl habe ich zuletzt sehr vermisst. Aber es ist immer gefolgt vom Alleinsein im Hotelzimmer und dem Gefühl, nichts mehr wert zu sein. Von diesem Auf und Ab handelt meine Platte auch.

Interview: Ulrike Rechel

Foto: Olaf Heine

Adel Tawil, 02 World, Sa 29.3., 20 Uhr, ?VVK: 34–54 Ђ zzgl. Gebühr

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