Grunge

Afghan Whigs im Kesselhaus

Dunkle Romantik: Wie haben The Afghan Whigs Frank Ocean den Weg bereitet?

Chris Cuffaro

Sie waren nicht die erfolgreichsten Alternative-Rocker der 1990er, auch den Zeitgeist haben sie wohl kaum definiert. Dieser Job ging an Nirvana, Pearl Jam oder auch die Smashing Pumpkins. Doch The Afghan Whigs waren die interessanteste Grunge-Band und – wie sich in der Rückschau zeigt – mit ihrem Eklektizismus weit voraus. Schweren Rock brachte die Band um Frontmann Greg Dulli mit souligem Groove zusammen, dem man Liebe für Motown anhört. Zugleich strahlten ihre Songs Düsternis aus. Soul-Goth-Grunge würde man das im Zeitalter der Bindezeichen-Genres wohl nennen.
Melancholischer Soul und düsterer R’n’B sind inzwischen längst im Mainstream angekommen; da dürfen sich The Afghan Whigs als Vorreiter fühlen. Kein Wunder, dass die Band gerne Frank Ocean oder The Weeknd covert. Aus dem Spagat zwischen Heaviness und Leichtfüßigkeit schufen sie einen unverkennbaren Sound, den sie auch nach ihrer Reunion – 2001 lösten sie sich auf, zehn Jahre später fanden sie wieder zusammen – nur minimal modifizierten. Auch thematisch sind sie sich treu geblieben: Okkultes und Rationalität, Streben nach Erlösung und innere Abgründe – dunkle Romantik eben. Schön, dass sie zurück sind – auf Tour mit dem aktuellen Album „In Spades“.

Kesselhaus (Kulturbrauerei) Knaackstr. 97, Prenzlauer Berg, Mi 7.6., 20 Uhr, VVK 28,20 €

 

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