Konzerte & Party

AKA AKA & Thalstroem im Astra

Aka_AkaPlötzlich wird die Bühne im Club ganz dunkel. Wo vor wenigen Minuten noch ein DJ die Menge anheizte, erkennt man nun schemenhaft, wie ein dünner Kerl, mit nichts weiter als einer elektronischen Trompete die Bühne betritt. Als er sein Instrument ansetzt, presst er einen tiefen, langgezogenen Basston he­raus. Pfiffe wehen zur Bühne herüber, Jubelrufe ertönen. Und dann reißt ein Fingerpaar einen Regler am Mischpult hoch und jagt den pumpenden Bassdruck über die Köpfe der Menge hinweg. Grelles Scheinwerferlicht erhellt die Bühne. Darauf sieht man jetzt die beiden Jungs von Aka Aka und ihren Trompeter Thalstroem. Für die drei ist es ein ganz normaler Arbeitstag.

Gerade Thalstroem hätte nie gedacht, dass er jemals zu Techno Trompete spielen würde. Denn eigentlich hat er in München und Amsterdam Musik studiert. „Ich war der totale Jazz-Purist“, sagt er, „aber gerade in Berlin hab ich gelernt, elektronische Musik zu lieben.“ „Den Holger hab ich zuerst kennengelernt und zwar bei nem richtigen Wodka-Gelage in Neukölln!“ Holger legte damals in dieser russischen Bar auf, um sich über Wasser zu halten. „Wir haben uns einmal durch die komplette Selektion gesoffen.“

Holger ist ein kräftig gebauter und stets gut gelaunter Kerl. Der gebürtige Ostfriese arbeitete eigentlich als Elektrotechniker in Emden. „Irgendwann hab ich gemerkt: Entweder ich änder‘ was oder ich mach mit 50 immer noch diesen Scheiß-Job.“ Als mir dann ein Freund einen Platz in seiner WG hier in Berlin anbot, hab ich sofort alles stehen und liegen lassen und bin hergezogen – das war die beste Entscheidung überhaupt!“ Beim Feiern lernte Holger dann Hannes kennen. „Der war total besoffen und meinte so zu mir: Ey, wir müssen unbedingt zusammen ins Studio und ich dachte nur so: Gott, der weiß das morgen doch eh nicht mehr“, sagt Hannes und verdreht dabei die Augen. „Aber wir haben uns dann wirklich im Studio getroffen und es hat auf Anhieb richtig gut funktioniert.“

Mittlerweile sind Aka Aka in ihrem bislang dritten Studio angekommen, direkt über dem Kreuzberger Club Ritter Butzke. Für die Arbeit an ihrem nun erscheinenden Album „Varietй“ haben sie sich hier über zweieinhalb Monate täglich getroffen und von morgens bis abends daran gefeilt.

Allen Erwartungen zum Trotz ist „Varietй“ nicht der gewohnte, berlin-typische Elektro-House. Vielmehr ist es eine Sammlung der verschiedensten musikalischen Stile, die Aka Aka und Thalstroem beeinflussen. „Ich bin ja total harmonie-verliebt“, sagt David, „während die Jungs halt eher so marschieren“. „Jaja, er ist manchmal n büschen kitschig“, brummelt Holger dazwischen. „Ich komm ja ursprünglich aus’m harten Techno …“ „Rotterdam Hardcore trifft Goldberg Variationen, das ist es!“, sagt David mit zufriedenem Gesichtsausdruck. „Ich denke, dass unser Sound am ehesten diesem afrikanischen Ding entspricht, bei dem es darum geht, Freude zu bringen und nicht auf der Bühne zu stehen, weil du so cool bist – Du feierst mit!“

Bis Ende des Jahres stehen noch über 50 Auftritte der drei an. Besonders aber freuen sie sich auf den Abend im Astra. „Das wird was ganz Neues für uns, weil alle, die am Album mitgewirkt haben, dann mit auf der Bühne stehen werden – also neun Musiker!“, sagt David. Betty Lenard zum Beispiel wird auch dabei sein, die das Stück „The Rip“ gesungen hat, und auch Niko Scharnofske, mit seinem Sousaphon – ein riesiges Blasinstrument.

Und im nächsten Jahr, was steht da an? „Nochmal hundert Auftritte!“, sagt Holger mit schallendem Lachen.

Text: Lucas Negroni

AKA AKA & Thalstroem Release Konzert Astra Kulturhaus, Fr 27.5., 22 Uhr, VVK: 16 Ђ

Mehr über Cookies erfahren