Konzerte & Party

Alex Ridha von Boysnoize Records im Gespräch

BoysnoizeEs ist heute nicht so einfach, ein kleines Label sieben Jahre am Laufen zu halten. Wie macht man das?
Ein Label auf unserem Niveau ist das Ergebnis reiner Liebhaberei. Es hat mit 500 bis 1?000 Stück pro Release für DJs angefangen, heute kalkulieren wir auch lieber knapp. Es gab mal die Überlegung, dass wir uns mit einem größeren Label zusammentun. Aber dann entsteht das Problem, dass zu viele Leute hineinreden. Man muss mehr Geld investieren, das dann auch wieder hereinkommen muss. Dadurch erhöht sich das Risiko.

Da kommt Ihnen sicher das Geld zugute,  das Sie mit DJ-Auftritten in aller Welt einspielen.  
Zum Beispiel. Ich hatte auch Glück, dass mein erstes Album „Oi Oi Oi“ so gut lief. Davon schöpfen wir noch heute (lacht). Aber es geht bei diesem Label um die Musik und nicht darum, den Markt mit dem zu füttern, was er braucht. Die Beschäftigung mit neuen jungen Talenten und Produzenten macht mir Spaß. Es geht mir auch darum, dass ich über meine eigene Musik hundert Prozent Kon­trolle habe.  

Mit dem Album von Spank Rock aus dem Vorjahr stand aber schon mehr auf dem Spiel. War das eine Ausnahme?
Für Spank Rock waren wir eine Art Notlösung. Das war nicht so geplant, aber der gute Mann hatte schlechte Erfahrungen mit Plattenfirmen gemacht. Er wollte sich nicht unter Druck setzen und als großes Ding verheizen lassen. Wir konnten ihm einen entspannten Deal geben, wie er das wollte. Für uns war das schon mit mehr Arbeit verbunden. Es gibt auf dem Album radiotaugliche Sachen, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten promotet und vermarktet haben. Das war für uns eine tolle neue Erfahrung.

Nicht wenige glauben, der Name Boysnoize Records stehe noch immer für einen bestimmten Sound. Sind Sie wirklich nur auf Clubmusik mit Randalefaktor aus?  
Ich persönlich stehe schon auf härteren Sound, aber man muss auch mit der Zeit gehen. Für mich wäre es langweilig, als Künstler, DJ und Label immer denselben Style zu fahren. Eine gewisse Linie ist gut. Aber man muss auch immer die Ohren offen halten und erkennen, wo was Neues entsteht.  

Wer macht Ihnen da besonders Hoffnung?
Ich habe einen 17-Jährigen gesignt, der sich SCNTST (sprich: Scientist, d. Verf.) nennt. Ich habe ungefähr 100 Tracks von dem auf meinem Computer und versuche, den Überblick zu behalten. Das ist echt schwer, weil er von einem Style zum anderen springt. Mal ist es krassester Underground-White-Label-Stoff, dann ist er mehr von England inspiriert und im nächsten Fall mehr von Chicago-House.    

Das hört sich nicht sehr revolutionär an.
Es ist nicht dasselbe wie früher. Ich bin mit dem Verständnis aufgewachsen, dass man für einen Track eine Disco-Nummer aus den 70ern oder 80ern samplet. Jetzt nehmen sich die Leute etwas von Mary J. Blige aus dem Jahr 1997 und machen eine House-Nummer draus. Dadurch entwickelt sich eine andere Dynamik und verändert sich etwas.    

Was haben Sie sich für die 7-Jahr-Feier überlegt?
Die meisten Leute, die beim Label Musik veröffentlicht haben, werden an zwei Abenden auftreten. Das hatten wir so noch nie. Es war immer schwierig, es so hinzukriegen, dass alle kommen. Hilfreich sind dabei die zwei Veranstaltungsorte. Für die erste große Party ist das Astra ideal. Da gibt einen Raum für fünf oder sechs Künstler, die nacheinander spielen. Im Kater Holzig gibt es drei Areas, eine draußen und zwei drinnen. Da können sich die DJs immer mal abwechseln. Das ist besser, als wenn man jedem nur 30 Minuten an einem Abend geben kann. 

Interview: Thomas Weiland

7 Jahre Boysnoize Records Astra, Mi 16.5., 22–6 Uhr, VVK: 14 Ђ, mit Spank Rock , Para One, Jan Driver & Siriusmo, SCNTST + Audionite

Kater Holzig, Do 17.5., 18 Uhr bis open end, AK: vor Ort erfragen, mit Feadz, DJ Pierre, Elax, Housemeister, Shadow Dancer u.v.a.

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