Konzerte & Party

Alexander Melnikov und Guihen Queyras

Alexander Melnikov und Guihen Queyras

Peter Lorre am Klavier? Wem die frappierende Ähnlichkeit zwischen Alexander Melnikov und dem jungen Peter Lorre einmal aufgefallen ist, der wird diese Vorstellung nicht wieder los. Der aus Russland stammende Melnikov wird für seine sensiblen, hellwachen Fähigkeiten besonders als Kammermusiker geschätzt. Zum Beispiel von Isabelle Faust, deren regelmäßiger Klavier-Partner er ist. Auch der französische Cellist Jean-Guihen Queyras (der ihn zur Harmonia Mundi France brachte) schwört auf die Tatsache, dass Melnikov zu den am besten durchgestaltenden, das heißt, Schwerst­arbeit investierenden Musikern der Szene gehört. Man es hört es daran, wie leicht alles bei ihm klingt.
Jetzt stemmt das russisch-französische Doppel, bestehend aus Melnikov und Queyras, den Superschwergewichts-Klopper ihres Repertoires schlechthin, nämlich die fünf Sonaten für Violoncello und Klavier von Beethoven. Die vor einigen Wochen erschienene CD-Aufnahme wurde allgemein bejubelt. Integrale Live-Aufführungen dieser Spitzenwerke indes sind selten; ein Spiegel der Tatsache, dass reisende Cellisten ohnehin kaum noch für reguläre Kammermusikabende verpflichtet werden. Nicht einmal für solche Meisterwerke.
Einschlägig umgetan hatte sich Queyras (seines Zeichens wichtigster französischer Cellist seit dem wunderbaren Pierre Fournier) zuvor in allen Bereichen des Repertoires. Dem Protegй von Pierre Boulez gelang es sogar, dass der als schwierig geltende György Kurtбg ein Werk für ihn geschrieben hat. Queyras’ Ton ist elegant, leichtgängig mit gelegentlichen ex­pressionistischen Schürftönen а la Casals. In Gestalt von Melnikov hat er sich mit seinem puren Gegenteil zusammengetan. Melnikov gibt Queyras Tiefe. Queyras gibt Melnikov Klasse. Gemeinsam sind sie unschlagbar.
Außerdem ist das Konzert im Radialsystem ein Beispiel dafür, dass es an entlegeneren Orten immer öfter Konzerte gibt, für die den angestammten, bürgerlichen Platzhirschen unter den Konzertveranstaltern der Mut fehlt. Hier, im Radialsystem, lud man Melnikov sogar schon zur Darbietung seines Meisterstücks ein, den „Präludien & Fugen“ von Dmitri Schostakowitsch. Auch Beethovens Violin-Sonaten (mit Isabelle Faust) hat Melnikov hier schon live vorgestellt. Das Schöne an den fünf Cello-Sonaten Beethovens besteht übrigens auch darin, dass sie sich vom Frühwerk (op. 5) über die mittlere Phase (op. 69) bis hin zum Spätwerk (op. 102) erstrecken. Das ist eine größere Spanne als bei fast allen anderen Kammermusikgattungen, die Beethoven benutzt.         

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Molina Visuals

Radialsystem V Fr 28.11., 19 Uhr, Karten-Tel. 288 78 85 88

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