Konzerte & Party

Algiers in der Volksbühne

Algiers

Die Frage ist in den letzten Wochen eigentlich zur Genüge diskutiert worden. Dennoch: Welches Album aus dem Jahr 2015 darf man auf absolut gar keinen Fall auslassen? Das selbstbetitelte von Algiers natürlich. Bei ihm erkennt man sofort, dass sich eine Band nicht traditionsbewusst verhält und alles aus sich herausholt. Sänger Franklin James Fisher bezieht seine Kraft aus tiefen Gräben des Gospel und ist von schauerhaft gespenstischen Chören umgeben. Man bemerkt auch eine Nähe zu den Gift-und-Galle-Momenten und zur Noise-Ekstase der Bad Seeds. Der Drang beim Schlagzeugspiel lässt bei Algiers nie nach, auch nicht in den elektronischen Augenblicken, in denen es wie bei Afrika Bambaataa klingt. Eine weitere wichtige Rolle spielt der experimentelle Post-Punk-Geist von XTC in Stücken, die man nicht so kennt (besonders „Train Running Low On Soul Coal“). Was ?Algiers aus all diesen nicht alltäglichen Bestandteilen machen, ist umwerfend. Bei diesen Überzeugungstätern nimmt man mal wieder unmissverständlich wahr, wie sehr die Musik profitiert, wenn eine Band mit wilder Entschlossenheit auf den Faktor der inneren Reinigung setzt. Algiers tun es auch noch so, dass es sich wie ein befreiender Marsch auf heißen Kohlen anfühlt. Wie gut, dass sie sich für ihren dritten Berlin-Auftritt innerhalb kürzester Zeit den Neujahrstag ausgesucht haben. Man will für 2016 ja gleich richtig aufgeheizt sein.

Text: Thomas Weiland

Foto: Matador Records

Algiers, Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Fr 1.1., 20 Uhr, ?VVK: 24 Euro / 20 Euro (erm.)

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