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Alice Russell

Alice Russell

Dem Cover ihres neuen Albums „To Dust“ nach zu urteilen, gehen Alice Russell und Emeli Sandй jetzt zum selben Friseur. Das ist durchaus eine Beobachtung, mit der man sich beschäftigen muss. In der britischen Musik spielt das Image immer eine Rolle, es kann eine Karriere definieren. Aber eine Alice Russell muss sich dann doch keine Sorgen machen, dass man sie jetzt wegen einer blonden Tolle verwechselt. Sie hat sich nicht urplötzlich verändert und nicht an einem Rezept anderer orientiert, das ist nicht ihr Stil. Leider hat sie für ihre Integrität bisher nie den verdienten Lohn erhalten.

Für eine Frau mit so viel Talent ist das eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Lange bevor Amy Winehouse und Adele ihren Durchbruch feierten, stand Russell bereits als neue Soul-Stimme bereit und sang Tracks verschiedener britischer Dance-Produzenten. Ihre ersten eigenen Alben erschienen ab 2004 beim Indie-Label Tru Thoughts in Brighton. In dessen Kreisen bewegte sich auch der Songschreiber und Multiinstrumentalist Alex Cowan alias TM Juke, der bis heute Russells fester musikalischer Partner ist.

Sowohl ihm als auch der Sängerin merkt man an, dass sie sich nicht auf einen Fixpunkt aus der Vergangenheit versteifen. Ihnen geht es nicht um die Wiederholung alter Motown-Sounds. Sie sind sich bewusst, dass sie im 21. Jahrhundert leben, und strahlen das auch aus. Man hört schöne alte Orgeln oder Getrommel eines echten Schlagzeugs, aber eben auch Elektronik. „To Dust“ überzeugt nicht nur, weil sich Russell wie gewohnt als ehrliche Haut präsentiert. Ihre Musik hat jetzt auch einen hohen Reifegrad erreicht.

Text: Thomas Weiland

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