Konzerte & Party

Alkohol und Evolution

Das kann ja wohl nicht wahr sein! Da schlägt man sich nach durchzechten Wochenenden mit Depressionen, Kopfschmerzen und schlechtem Gewissen herum und erfährt so ganz nebenbei die neueste wissenschaftliche Nachricht, in Malaysia würden sich irgendwelche Nagetiere jeden dritten Tag besaufen – und zwar ohne auch nur einen Anflug von Nebenwirkungen zu spüren. Der Mensch – angeblich ganz oben auf der Evolutionsskala – hier ist er einer mausähnlichen Gestalt unterlegen.


Das malaysische Spitzhörnchen lacht uns aus! Es sitzt da nachts auf seiner Palme im tropischen Regenwald, betrinkt sich mit Unmengen vergorenen Nektars und wird trotzdem nicht besoffen. Es verfügt über ein Entgiftungssystem, für welches wir Menschen vor allem montagmorgens bereit wären, sehr viel Geld zu bezahlen. Darüber hinaus ist das menschliche Verhalten unter Alkoholeinfluss ganz generell als spitzhornunwürdig zu bezeichnen und lässt sich je nach Veranlagung auch gut typologisieren, aber sehen Sie selbst.

Der Orientierungsversager
Entgegen dem Klischee, Frauen hätten den schlechteren Orientierungssinn als Männer, ruft Alkoholkonsum vor allem bei männlichen Vertretern oben Benannten hervor. Ob Fahrradkurier oder Städteplaner, im besoffenen Zustand verliert er den Überblick, was ihn im Club oft hilflos erscheinen lässt: Wo geht’s zur Toilette? Wo ist der Ausgang? Wie weit ist es zur Torstraße? – Da es dem Orientierungsversager meist nicht mehr möglich ist, Fragen zu formulieren, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich im Zeitlupentempo an der Wand entlangzutasten, bis irgendwann eine Türklinke auftaucht.

Der/die Melancholiker/in
Zwei Bier genügen, und die Augen werden feucht. Egal ob sie Geburtstag feiern oder die Gehaltserhöhung vom besten Freund, der/die Benannte wird es immer schaffen, eine Portion Dramatik und Weltschmerz in die Veranstaltung zu bringen. Nüchtern mag er/sie ein(e) lustige(r) Gesprächspartner/in sein, besoffen ist er/sie ein(e) chronische(r) Runterbringer/in.

Die Furie
Die Furie ist im normalen Leben oft die charmante Freundin, mit der jeder gut kann – betrunken wird sie zum Pulverfass auf zwei Beinen. Alkohol fördert bei ihr aufgestaute Aggressionen zutage, bei der eine einzige Bemerkung oder Geste zur filmreifen Tanzflächenschlägerei führen kann.

Der Stripper
Kennen Sie Georg? Vielleicht fiel er Ihnen im Club schon mal auf. Wenn morgens die Stimmung auf dem Höhepunkt ist, braucht man nicht lange zu warten, bis G. auf der Tanzfläche Hose und Unterhose auszieht, um in totaler Beinfreiheit weiterzutanzen. Sagt man dann zu G.: „Du weißt schon, dass du gerade unten ohne tanzt“, lacht er, reißt die Arme in die Luft und ruft: „Geile Party!“ G. ist durchaus intelligent, aber Alkohol holt etwas aus dem Unterbewusstsein und der Unterhose hervor, das sonst offenbar unterrepräsentiert ist. Und G. ist nicht allein. Besoffene fühlen sich immer wieder zum Ausziehen motiviert. Ich frage Sie, wie stehen wir nun im Speziesvergleich da? Mein eindringlicher Appell gilt daher den Biologen und Tierpsychologen dieser Erde: Entreißt dem malaysischen Spitzhörnchen sein Geheimnis – sofort!

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