Konzerte & Party

Allah-Lahs im Festsaal Kreuzberg

Allah-Las

Spricht man Miles Michaud auf die wichtigsten Orte seiner Jugend in Los Angeles an, dann nennt der Songschreiber Plattenläden: Scooters Records in Hermosa Beach oder Amoeba, den Tempel aller unabhängigen Plattenläden. Hier verbrachte der Sänger und Gitarrist der Allah-Las prägende Zeiten, sein halber Freundeskreis jobbte zudem bei Amoeba und hörte sich gemeinsam durch zahllose unsortierte Platten. Dass sich aus den Freunden eine Band formieren würde, erschien da als logischer nächster Schritt.
Überstürzt haben die Allah-Las allerdings nichts. Gegründet 2008 feilte die Band jahrelang an ihrem nostalgischen Klangbild. Hinzu kam, dass Drummer Matt Correia sein Instrument erst einmal lernen musste. Spielen konnte er es bis dato nicht, doch den Freunden reichte zur Aufnahme in die Band allein Correias guter Musikgeschmack. Auf die Sechziger und Siebziger kann sich das Quartett blind verständigen: auf Klassiker aus der sonnigen Heimatregion wie Byrds und Love, auf die Stones oder auch L.A.-Bands der Paisley-Underground-Ära der Achtziger. Das Debütalbum der Allah-Las klingt nun so traumwandlerisch altmodisch, als handele es sich um Aufnahmen einer vergessenen L.A.-Surfer-Band: Die Gangart ist meist selig verlangsamt, das Schlagzeug klingt schmal, aber genau; Gesang und Gitarren baden in sanftem Hall – was das Geschehen leicht entrückt erscheinen lässt.
Hinter der scheinbaren Lo-Fi-Ästhetik steckt tatsächlich eine perfektionistische Suche nach den goldrichtigen Klängen, die dem romantischen Ideal eines alten Kaliforniens entsprechen. Dafür buchte sich das Quartett im Studio des befreundeten Songwriters Nick Waterhouse ein – ausgestattet mit raren analogen Gerätschaften, die heute ein kleines Vermögen wert sind. Das weiche Retro-Klangbild von Songs wie „Don’t You Forget It“ oder von leichtläufigen Instrumentals wie „Sacred Sands“ kommt in Verbindung mit Moll-Harmonien und einer angenehm melancholischen Grundstimmung daher – passend zu den bittersüßen Themen um untreue Freundinnen und Einsamkeit. An „Surfin‘ USA“ denkt man da kaum, eher an Loves gefühlsselige Momente oder auch an die Teen Angst der Animals. So gut kam das Debüt­album in der Heimat an, dass die Allah-­Las inzwischen als Shootingstars der jungen kalifornischen Surf-Rock-Welle gelten. Zeit, um im Plattenladen auszuhelfen, hat die Band heute jedenfalls keine mehr. Dafür steht die Platte der früheren Mitarbeiter im Regal – irgendwo zwischen Alabama Shakes und Animals.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Nick Walker

Allah-Las + The Mokkers, Festsaal Kreuzberg, Di 11.6., 21 Uhr, VVK: 14 Euro zzgl. Gebühr

The Mokkers
Wer die neue Veröffentlichung der Mokkers hören will, braucht dafür einen Plattenspieler. Eine andere Ästhetik als die klassische 7-Inch-Vinyl-Single würde auch nicht recht passen zu der jungen Girlgroup aus Berlin. Das Quartett um Sängerin Verita Vi hält sich auch sonst an die zeitlosen Regeln von Rock’n’Roll und Punk: Ihr Sound ist direkt und ungebügelt, die Songs sind knapp und melodieprall. Drums poltern, der Bass rumort und die drahtige Surf-Gitarre schlittert munter durch dramatische Halbtonleitern oder wirft eingängige Riffs ein. In besagter Single „Indians“ stimmen The Mokkers auch mal johlende „Uuh“-Chöre an, es gibt einen Schellenkranz und ein Link-Wray-geschultes Solo. Bei allem Adrenalin der Nummer klingt Sängerin Verita doch so ungerührt lässig wie Cowgirl Nancy Sinatra in „These Boots Are Made for Walking“. Im Herbst geht die Band ins Studio, um ihr Debütalbum einzuspielen.

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