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Tag der offenen Tür: Alles wird gut beim Acud

Acud

„Ach, das gibt’s wieder?“, war in letzter Zeit eine häufige Reaktion, wenn das Gespräch auf das Acud in Mitte kam. Korrekterweise müsste es heißen: Das Acud gibt es immer noch. Diesen Satz können die neuen Betreiber durchaus mit Stolz verkünden, denn selbstverständlich ist dieses Durchhaltevermögen in solch exponierter Lage keineswegs. „Früher war Mitte kulturell ja mal ein spannender Bezirk“, erzählt die Berliner Künstlerin Julie Gayard, die mit Johannes Braun im Januar 2014 das Acud übernommen hat. „Wir haben die Veränderungen miterlebt. Uns ist es daher wichtig, dass so ein Ort erhalten bleibt.“ Auch die Veteranenstraße, seit 1991 Sitz des Kunstvereins Acud, hat in vergangenen Jahren einen schleichenden demografischen Wandel vollzogen. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. Das Warenhaus Jandorf steht noch immer leer, die gastronomische Landschaft mit den Institutionen FC Magnet Bar und Weinerei hat sich gefestigt. Und mittendrin thront das Acud wie ein gallisches Dorf – ein Bollwerk gegen Investoren und die schleichende Verbürgerlichung des ehemaligen Arbeiter-Kiezes.
Acud-TeamDoch der Kunstverein Acud hat eine unruhige Phase hinter sich. Mit der Sanierung des Gebäudes Anfang der Nullerjahre hatte man sich gewaltig übernommen. Nach der Wiedereröffnung 2006 verschlechterte sich die finanzielle Situation zunehmend, sodass der Verein im Mai 2010 Insolvenz anmelden musste. Seither waren die Aktivitäten auf ein Minimum reduziert, allein das Kino und das Theater machten weiter Programm. Dem Acud drohte dasselbe Schicksal wie so vielen alternativen Kultureinrichtungen im ehemaligen Ostteil der Stadt. Es ist vor allem dem Engagement der Stiftung Umverteilen, die schon den Schokoladen übernommen hat, zu verdanken, dass das Gebäude nicht an die meistbietende Immobilienfirma verkauft wurde. Alle Parteien waren daran interessiert, den Standort zu erhalten. Gayard und Braun spielten erstmals Ende 2012 mit dem Gedanken, das Grundstück zu kaufen. Aus einer launigen Idee entwickelte sich bald ein konkreter Plan. Kurz vor der Zwangsversteigerung konnten sich die Stiftung, der Verein, die Bank, Gayard und Braun auf die Rahmenbedingungen für den Kaufvertrag einigen.
AcudDamit sind die Räumlichkeiten für die nächsten 22 Jahre gesichert. Neuerdings gibt es im Acud sogar wieder Programm. Zunächst im kleinen Rahmen, denn für Gayard und Braun ist die Rolle als Kulturmanager noch neu. Sie betonen vor allem die integrierende Funktion des Acud für die Nachbarschaft. „Natürlich war die Skepsis anfangs groß“, sagt Braun. „Aber inzwischen sind alle froh, dass jemand aus dem Kulturbereich eingesprungen ist und das Haus als Kulturort weiterführen will.“ Braun und Gayard arbeiten bereits seit den Neunzigerjahren unter dem Namen Jutojo als visuelle Künstler in der Berliner Club-Szene, sie verfügen also über gute Verbindungen. Erste Kontakte tragen bereits Früchte: Seit dem Sommer hat der Club Transmediale seine Büros im Acud bezogen, ab Oktober sendet das Webradio Berlin Community sein Programm aus der Veteranenstraße.
Aber auch Lesungen, Ausstellungen, Konferenzen und Workshops sollen zukünftig in den Räumen des Acud stattfinden. „Uns ist es wichtig“, erklärt Braun, „eine thematische Offenheit zu bewahren. Architektonisch ist das Acud mit keinem anderen Ort vergleichbar. Wir wollen an die Geschichte des Ortes anknüpfen, uns aber nicht auf Musik-Veranstaltungen festlegen. Das Spannende an dem Haus ist ja gerade, dass es über alle technischen und räumlichen Voraussetzungen für interdisziplinäre Veranstaltungen verfügt.“ Am 27. September kann man sich persönlich einen Eindruck vom neuen/alten Kulturort in Mitte machen, dann laden die neuen Besitzer zu einem Tag der offenen Tür.

Text: Andreas Busche

Foto oben: Lena Fingerle

Foto mittig: Joe Dilworth

Foto unten: Johannes Braun

Acud, Veteranenstraße 21, Mitte, ?Sa 27.9., Tag der offenen Tür

www.acud.de

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