Konzerte & Party

Aloe Blacc: „Good Things“

Aloe Blacc: Also bittet er eine Frau darum, mit ihm ihren Dollar zu teilen. Im Gegenzug darf sie sich über einen Kerl freuen, der sich schick in Schale werfen kann und bestens aufgelegt ist. Ob man mit so einer Tour durchkommt? Am Song „I Need A Dollar“ soll es jedenfalls nicht liegen. Die Hookline ist ein Genuss, und wie sich Blacc an der geschmeidigen Vortragsweise eines Bill Withers orientiert, ist atemberaubend.
Aloe Blacc ist nun endgültig in der Musikwelt angekommen. Lange Zeit versuchte er sein Glück als Mitglied der Indie-Rap-Crew Emanon. Vergeblich. Voran ging es erst, als er – durchaus ungewöhnlich – ins Gesangsfach wechselte. Sein Solo-Debüt „Shine Through“ war noch etwas wackelig, weil sich der Kalifornier mit panamaischen Wurzeln ein paar Stilsprünge erlaubte und Stücke auf Spanisch durchdrückte. Auf „Good Things“ schickt er mal per Reggae-Riddim einen Gruß in die Karibik, aber sonst widmet sich Aloe Blacc voll und ganz dem Soul der Siebzigerjahre. Der erlebt immer mal wieder eine Renaissance, weil er so unglaublich ergiebig ist. Selten hat es aber einen Interpreten gegeben, der sich dem sozialkritischen Diskurs dieser Ära so inbrünstig angenommen hat. In „Life So Hard“ rechnet Blacc schonungslos mit dem von Armut, Gier, Gewalt und Irrsinn zerfressenen Amerika ab. Leuten, denen Marvin Gaye etwas bedeutet, muss ein Schauer des Wohlergehens über den Rücken laufen.
Der 31-Jährige kann aber auch loslassen. „Femme Fatale“ von den Velvets passt gut zu seinem Stil. Und wenn es mit den Frauen nicht wie geplant läuft, gibt es immer noch eine, die immer da ist. „Mama Hold My Hand“ – so etwas dürfen sich nur wirklich gute Soul-Sänger erlauben.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Aloe Blacc, Good Things (Stones Throw/Universal)

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