Konzerte & Party

Heute im Frannz-Club: „The Airborne Toxic Event“

The Airborne Toxic EventOft heißt es ja, dass eine zerstörte Seele einen großen Künstler macht. Mikel Jollett, dem Sänger und Mastermind hinter The Airborne Toxic Event, hätte wohl eine solche vorzuweisen. Bis zum Februar 2006 ist er ein ganz normaler Journalist und angehender Romancier, der in Los Feliz nahe bei Los Angeles vor sich hin werkelt. Der März wird für Mikel Jollett zum Katastrophenmonat: Bei seiner Mutter wird Krebs diagnos­tiziert, seine Freundin verlässt ihn, und bei einer Routineuntersuchung wird bei ihm eine seltene Autoimmunerkrankung festgestellt. Und was tut er? „Vielleicht werde ich dafür meinen Preis zahlen müssen, vielleicht auch nicht. Aber jetzt gründe ich eine verdammte Rockband.“ Und was für eine. Opulent, aber absolut stimmig orchestriert klingen die Stü­cke des Quintetts. „Orches­triert“ ist durchaus das rechte Wort, und doch dröhnt ungeschliffener Indie-Rock aus den Boxen. Brachial poetisch brechen sich die Texte Bahn. Mal steht Mikel Jollett hoch oben auf dem Gipfel und jubelt zum Himmel. Im nächsten Augenblick sitzt er im tiefsten Tal und heult aus Rotz und Wasser einen reißenden Bach. Poesie und Rock geben ein gutes Tanzpaar ab. Es ist wirklich überzeugend; denn nie gehen The Toxic Airborne Event gekünstelt oder überkandidelt zu Werke. So intensiv kann nur tönen, wer sich seiner Sterblichkeit von jetzt auf gleich bewusst wird. Nicht umsonst ist der Bandname eine Kapitelüberschrift aus Don DeLillos todernstem Buch „White Noise„. Da sich alle Szenen im Tiefschlaf befinden, darf durchaus die Frage gestellt werden, ob da vielleicht die Zukunft des Rock’n’Roll auf der Bühne steht? Ein großer Künstler steht da allemal.

Text: Franz X.A. Zipperer

Foto: Kristi Sparrow, Autumn de Wilde

The Airborne Toxic Event, Frannz-Club, Di 25.8., 21 Uhr, VVK: ab 14 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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