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Torche im Bi Nuu

torcheSteve Brooks ist kein Freund des Heavy Metal. Zumindest nicht von der Begriffsschublade. Seiner Band Torche ist die Liebe zu tief dröhnenden Klassikern wie Black Sabbath zwar anzuhören; dicht verschlungene Gitarrendoppel und hyperaktive Soli erinnern an große Vertreter der Metal-Zunft, an Iron Maiden oder Van Halen. Doch bei allem Respekt ist die Kategorie doch zu eng. Wo Torche nun mal große Popfans sind, eine Neigung, die sie auf dem aktuellen dritten Album beherzt ausspielen. Auf „Harmonicraft“ wimmelt es von strömenden Melodiebögen. Im Lauf der Zeit hat die Stimme des Mannes, der unter Doom-Metal-Fans vor allem für seine erste Band Floor verehrt wird, an Format gewonnen. Inmitten spannender Wechselwetter strahlt sein voller Gesang etwas angenehm Unangestrengtes aus, wird zur verbindenden Kraft einer vielfältigen Stilpalette. Songs wie „Letting Go“ oder „Sky Trials“ gehen als harter Punkrock durch – insgesamt haben Torche das Tempo deutlich hochgefahren.

Umso wirkungsvoller aber, wenn der volle Lauf plötzlich abbremst, wenn Songs in Rückkopplung und Hall eintauchen oder tief schwingend vorankriechen. Dann mischen sich Doom-Anklänge in den melodiösen Rock oder auch Zeitlupen-Rock’n’Roll а la Melvins. Mit den Helden des extratiefen Gitarrenriffs teilen Torche zudem ihre Portion an Humor und Lockerheit. Ganz ernst nehmen sie das Rockbusiness nicht, und sich selbst auch nicht. Dazu passt etwa das jetzige Plattencover mit knuffigen Cartoonfiguren in Rosa und Hellblau oder auch die launigen Sprüche des Bandchefs über alte Männlichkeitsmythen im Rock. An dem geweiteten Horizont liegt es wohl, dass Torche ein wundersames Paradox gelingt: gleichzeitig leichthändig zu klingen und doch sehr heavy.

Text: Ulrike Rechel

Torche+ Earthship Bi Nuu, Fr 28.9., 21 Uhr, VVK: 13 Ђ zzgl. Gebühr

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