Konzerte & Party

Am Wochenende: Das Greenville-Festival 2013

Greenville

Es hat fraglos Vorteile, wenn ein Festival mitten in der Metropole stattfindet. Man denke nur an die kurzen Anfahrtswege und die gute Verkehrsanbindung. Aber man muss sich nichts vormachen: Eigentlich gehört ein Festival aufs Land. Alles ist grün, es riecht nach Landwirtschaft und man kann bei anhaltendem Regen schön in Gummistiefeln durch den Matsch waten. Das ist eine Lebenserfahrung. Aus diesen Gründen ist auch das erste GREENVILLE-Festival vor den Toren Berlins letztes Jahr in guter Erinnerung geblieben. Gut war aber auch die Musik. The Flaming Lips festigten mit melodischem Space-Rock und einer knallbunten Show ihren Ruf als geniale Exzentriker. Es war einer der Höhepunkte des Wochenendes, des ganzen Konzertjahrs und beste Werbung für das GREENVILLE.
GreenvilleIn diesem Jahr sind Nick Cave & The Bad Seeds der zugkräftigste Act. Gerade erst hat der australische Sänger seine Qualitäten auf dem ruhigen und von erzählerischer Kraft geprägten Album „Push the Sky Away“ ausgespielt. Mit seinem Auftritt wird das Festival einen krönenden Abschluss finden. Aber auch davor gibt es einiges zu sehen. Erneut hat das Team um Veranstalter Carlos Fleischmann ein vielfältiges Programm mit Bands und Einzelkünstlern auf die Beine gestellt, die sich grob in vier Sparten aufteilen lassen. Anspruchsvolle Hörer werden am letzten Tag nicht nur mit Nick Cave, sondern auch mit der Schweizerin Sophie Hunger, den Dauerbrennern Tocotronic und den in Berlin lebenden Dänen von Efterklang versorgt. Stimmungsmacher gibt es zum Auftakt am Freitag zu sehen. Etwas überraschend ist die Beteiligung der pubertierenden Bloodhound Gang, die nie an den Erfolg mit „Hooray for Boobies“ und dem Hit „The Bad Touch“ anknüpfen konnte und schon seit einiger Zeit ein neues Album schuldig ist. Da sind die Emo-Rocker von Fall Out Boy schon weiter, sie hauen mit dem Pop-Rock-Pomp auf ihrer Comeback-Veröffentlichung „Save Rock And Roll“ kräftig auf die Pauke. Intelligenter hört sich das an, was die Electro-Agitatoren Frittenbude anbieten. Sie sind gegen nationale Engstirnigkeit, Gewalt und uferlose Globalisierung und teilen das unmissverständlich mit. Auch Bands mit folkloristischer Ausrichtung sind auf dem GREENVILLE vertreten. Zu ihnen gehören die norwegische Frauenband Katzenjammer mit ihren Banjos, Mandolinen und Balalaikas und die mit alpenländischer Volksmusik flirtenden Blasmusiker von LaBrassBanda.
GreenvilleAuch Freunde von elektronischen Klängen und HipHop werden beim GREENVILLE nicht ausgegrenzt. Vom Wu-Tang Clan erzählt man sich, dass er vielleicht zum letzten Mal in großer Besetzung auf Reisen geht. Unter dem Namen The D.O.T. haben sich Mike Skinner (The Streets) und Rob Harvey (The Music) zusammengetan. Westbam schließlich muss auch mal wieder sein, besonders nach „Götter­strasse“, einem der besten Alben seiner Karriere. Der Veteran des Techno wird standesgemäß um ein Uhr morgens für die Dauer von zwei Stunden zur Beschallung schreiten. Das ist dann auch einer der ganz großen Vorteile des GREENVILLE: Wo sich die Veranstalter des Berlin Festivals und die von Konzerten an der Zitadelle mit Lärmschutzbestimmungen und strengen Abschlusszeiten herumschlagen müssen, kann man in Paaren im Glien lange und laut bis tief in die Nacht feiern. Beschweren werden sich höchstens Tiere im Wald.

Text: Thomas Weiland

GREENVILLE-Festival, Paaren im Glien, Fr 26. bis So 28. Juli, ab 16 Uhr (Fr) und 13 Uhr (Wochenende), VVK: 45 Euro (ein Tag), 89 Euro (alle drei Tage)

www.greenvillefestival.com

 

Das TIP-Online-Team wird am kommenden Wochenende alle drei Tage direkt und live vom Festival berichten. Aktuelle Bilder und Konzertkritiken gibt es dann auf www.tip-berlin.de/greenville 2013

 

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