Konzerte & Party

Am Samstag im Lido: Wallis Bird

Wallis BirdDass Wallis Bird am liebsten auf Reisen ist, lässt sich auf ihrer MySpace-Seite verfolgen: Dort tauchen als Wohnorte wahlweise Dublin, London oder Mannheim auf. Derzeit schwärmt die Irin von Berlin. „Die Leute zerbrechen sich hier nicht so den Kopf über Geld; einfach weil keiner welches hat“, sagt sie. „Dafür haben sie hier mehr Zeit, sind kreativer.“
Zum Zeichen ihrer Sympathie hat Bird der Stadt einen Song gewidmet: ein vaude­villehaftes Sing-along, in dem sich zu Birds angerautem Soulgesang Fingerschnipser, Pfiffe und Cembalo-Akkorde gesellen. Nicht der einzige beschwingte Song auf ihrem neuen, dritten Album „New Boots“. Aus groove­betonten Folkrockern wie „Can Opener“ etwa schlägt eine Energie wie bei einem aufgeheizten Live-Gig. Dabei hat die dauertou­­rende Songschreiberin schwarze Zeiten hinter sich: Auf einen tief enttäuschenden Majorvertrag und ein Album, von dem kaum jemand etwas mitkriegte, folgten ein übles Stimmungsloch, Liebesbeziehungen, die da­rüber zerbrachen, eine Schreibblockade. „Es war hart. Ich hab das Spiel des Musikbusiness näher kennen­gelernt. Und ich spiele solche Spiele nicht gern. Ich möchte auch nicht in dieses Denken reingeraten. Aber das passierte, als es mit meinem Album nicht lief. Plötzlich habe ich angefangen, über meine Musik nach­zudenken, statt sie einfach zu schreiben.“
Ihrer persön­lichen Krise sagte die 27-Jährige schließlich selbst den Kampf an: mit „To My Bones“, einem mitreißenden Ohrwurm, der in Dur-Harmonien samt großem Chorus schwelgt. An Schreibkrise denkt da keiner. „Dabei war das die schlimmste Zeit meines Lebens. Aber diesen Satz, ‚Oh life, I love you to my bones‘, den sagte ich mir ständig wie ein Mantra.“ Man sollte ihn sich merken; offenbar wirkt er als Zauber in schlechten Zeiten.

Text: Ulrike Rechel

Wallis Bird, Lido, Sa 13.3., 20 Uhr, VVK: 16,10 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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