Konzerte & Party

Miss Li im Lido

MissLi„Livespielen ist das Beste im Leben für mich“, sagt Linda Carlsson strahlend auf die Frage, ob sie ihre Zeit lieber im Studio zubringt oder auf der Bühne. Es ist der Schwedin, die man besser als Miss Li kennt, besonders bewusst geworden, seit sie eine Auszeit einlegen musste. Da war die Sängerin mit der Babydoll-Stimme und dem Faible für helle Sixties-Melodien ernsthaft krank – an einer Salmonellen-Infektion. „Plötzlich konnte ich meine Arme nicht mehr heben, meine Hand schwoll an, ich konnte kein Klavier mehr spielen. Teils war es so schmerzend, dass ich im Hotel knallheiße Duschen nahm und Whisky oder Bier trank.“ Es folgten sechs Monate, die Carlsson weitgehend liegend verbringen musste.

„Eine frustrierende Zeit, in der ich ganz auf meine Gedanken zurückgeworfen war“, erinnert sie sich. Ihr neues Album „Beats & Bruises“, das sie mit ihrer Stammband unmittelbar danach schrieb, handelt unterschwellig von diesem Ausnahmezustand. Die Songs klingen entsprechend dunkler, als man das von dem fröhlichen Jukebox-Pop der Schwedin kennt: Hallende Twang-Gitarren, resonantes Saxofon oder angetippte Becken beschwören Film-noir-artige Szenen herauf; die Nummer „I Can’t Get You Out Of My Mind“ erinnert mit ihrem eingängigen Beat an Screamin’ Jay Hawkins. Nicht der einzige Song mit tanzbarem Beat und einem Gesang, der gewohnt flirtend ins Ohr geht. An ein „Krankheitsalbum“ denkt man dabei trotzdem nicht. Dazu klingt Miss Li auch hier viel zu lebendig.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Jeanette Andersson

Miss Li Lido, Sa 17.12., 21 Uhr, VVK: 17 Ђ

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