Konzerte & Party

Amon Amarth und Carcass in der Columbiahalle

Carcass_c_promoDie bildgewaltigsten Liedermacher tummeln sich naturgemäß im extremen Metal – man denke an Bolt Throwers comicartige Schlachtenszenarien, Cannibal Corpses surreal-klassizistische Splatterfantasien oder Slayers Würdigung des KZ-Arztes Mengele auf ihrem Meisterwerk „Reign in Blood“. Auch die Liverpooler Grindcore-Band Carcass pflegte einen sehr speziellen Humor bei der Ausgestaltung ihrer Corporate Identity. Sänger und Bassist Jeff Walker wälzte beim Schreiben seiner Songtexte keine Fantasy-Romane oder das „Necronomicon“, sondern zog bevorzugt Medizinlexika und ähnliche Fachliteratur zu Rate. Das sinnfrei aneinandergereihte Fachvokabular besaß eine ganz eigene lyrische Qualität. Titel wie „Mucopurulence Excretor“ oder „Manifestation of Verrucose Urethra“ stellten selbst englischsprachige Gorehounds vor Rätsel.

Eingängiger war dagegen das Cover von Carcass’ Debütalbum „Reek of Putrefaction“ (Gestank von Fäulnis) aus dem Jahr 1988: eine kunstvolle Collage aus menschlichen Körperteilen in allen Stadien der Krankheit, Verwesung oder Verstümmelung. Diese veritable Schlachtplatte passte optisch zum gutturalen Grunzen Walkers, das sich aus dem blubbernden Urschlamm von Bill Steers irrwitzig heruntergestimmter Gitarre und den breiigen Drums Ken Owens erhob. Zusammen mit Napalm Death und Bolt Thrower bildeten Carcass Ende der Achtzigerjahre die Speerspitze des britischen Deathmetal/Grindcore. Auf ihrem dritten Album „Necroticism – Descanting the Insalubrious“ hatten Carcass das Zusammenspiel aus Steers skalpellartigen Riffs und Owens brutal verspieltem Power-Drumming perfektioniert, dazu fauchte Walker wie eine angriffslustige Küchenschabe. Carcass waren für einen Moment die unumstritten größte Jazzband der Welt. Nun ist der Heavy Metal ein per se konservatives Genre, weswegen man Carcass’ sechstem Album (dem ersten in 17 Jahren) mit dem ansprechenden Titel „Surgical Steel“ attestieren darf, gleichzeitig eine hochgradig nostalgische Angelegenheit und voll auf der Höhe der Zeit zu sein.

Text: Andreas Busche
Fanveranstaltung 3
Amon Amarth + Carcass + Hell
Columbiahalle, Mi 27.11., 20 Uhr, VVK: 28 Ђ zzgl. Gebühr
verlosung: 5 x 2 tickets
E-Mail an [email protected],de, KW: Amon Amarth, ES: 24.11.

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