Konzerte & Party

Anaпs Mitchell am Donnerstag im Schokoladen

Anais MitchellIm Internet findet sich eine Leserdiskussion, in der sich die Leute am liebsten schlagen würden. Es geht um Anaпs Mitchell, Newcomerin auf dem Label von Folk-Ikone Ani DiFranco. Die Rezensentin eines amerikanischen Uni-Magazins hält Mitchells Stimme für kindhaft und dünn – und erntet heftigen Wi­derspruch. Natürlich hat die Kritikerin nicht ganz Unrecht damit, im feinen Timbre der Mittzwanzigerin ein junges Mädchen herauszuhören. Man kennt das – etwa von Edie Bri­ckell, Björk oder Joanna Newsom. Wer aber auf Mitchells Zeilen hört, wie auf ihrem aktuellen dritten Album „The Brightness„, merkt bald, dass die studierte Politikwissenschaftlerin mehr im Sinn hat, als das Kindchenschema zu bedienen. Nachdenklich reflektiert Mitchell die politische Gegenwart, nimmt Pers­pektiven vom gesellschaftli­chen Rande ein: eines Kindes etwa, das in den US-Nachrichten mit dem Feindbild der islamischen Welt berieselt wird, einem Gläubigen, der Christus in seinem Heimatort Be­th­le­hem begrüßt – einem heute scharf bewachten „Checkpoint“.
Die Worte, die sie findet, sind kritisch, aber poetisch; sie passen sich der sparsamen Instrumentierung an. Un­­mittelbarer noch als „The Brightness“ wirkt das Vorgängeralbum „Hymns For The Exiled„; vielleicht, weil Mitchell sich seinerzeit, 2004, noch im Unklaren war, ob sie die Musik zur Hauptbeschäftigung machen will. Mittlerweile hat sich die Frage geklärt. Ihr nächstes Album ist in Arbeit. Das Repertoire ist somit groß für eine Sängerin, die hierzulande noch als Neuling gilt.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Emma Gluckmann

Anaпs Mitchell, Schokoladen, Do 29.1., 21 Uhr, VVK: vor Ort erfragen

Mehr über Cookies erfahren