Konzerte & Party

Andrea Schroeder im Frannz

Andrea Schroeder

Geisterschiffe. Brennender Himmel. Amsellieder, blutrote Rosen. Gedanken, grau im Schneesturm. Ohne Halt, ohne Ziel. Die Traurigkeit, die Einsamkeit, die Kälte. Der Tod. Von solchen Unannehmlichkeiten kündet diese dunkle, melodramatische Stimme, die sich über sorgfältig in den Resonanzraum hinein platzierte Blues-, Chanson-, Gospel-Arrangements legt. Andrea Schroeders Stimme. Als käme sie aus der Tiefe, aus der Kälte. Doch diese Stimme wärmt das Herz. Schon erstaunlich, dieses Debütalbum der hochgewachsenen Wahl-Weddingerin, „Blackbird“, erschienen im letzten Herbst bei Glitterhouse. Ein Debüt wie aus dem Nichts. Andrea Schroeder, die große Unbekannte. Muss man drüber reden. Wedding also, leeres Cafй Schraders, ein saukalter Schneemorgen. „Blackbird“-Wetter. Andrea Schroeder ist herb erkältet, nicht gut, eine Woche noch bis zum Tourstart. Also dann. Geburtsort, -datum? Kopfschütteln, lächelnd. Mysterien haben ja was. Gibt aber auch Gründe dafür. Einige Stalker auf ihrer Myspace-Seite, früher. Da lebte sie noch in München, lange Jahre übrigens, sie stammt aber aus einem überschaubaren Ort in Nordrhein-Westfalen, mit Schützen im Verein. Querflöte spielten die. Wollte sie auch. Die Eltern nicht. Besser Klavier. Heute ist sie dankbar dafür. Auf dem Klavier entsteht mancher Song. Oder auf dem Harmonium. Wie es einst Nico bediente, Velvet Underground et cetera. Eine Referenz, die jetzt, neben Nick Cave und Lou Reed, gern kommt. An­drea Schroeder ist jedoch die bessere Sängerin. 2008 stellte sie ihren ersten Song auf Myspace ein, „Fly Me“. Fortan viele Kontakte über die Seite. Zum Dänen Jesper Lehmkuhl, formidabler Gitarrist, jetzt ihr Mit-Songwriter, Arrangeur. Zum New Yorker Beat-Poeten Charles Plymell, der ihr Gedichte zum Vertonen schickte, auf „Blackbird“ ist davon der staubtrocken dahinstapfende „Bebop Blues“ dabei. Und zu Chris Eckman, Walkabouts, der sie seither produziert, Songs im Studio für vollendet erklärt, die sie, ganz Perfektionistin, noch „hundertmal aufnehmen könnte“, wie sie sagt. Ganz neu draußen ist ihr atmosphärisches Bowie-Cover „Helden“. Im Sommer nimmt sie das zweite Album auf. Einige der Songs spielt sie jetzt schon live. Einer heißt „Ghosts of Berlin“.

Text: Erik Heier

Andrea Schroeder + Brokof, Frannz, Fr 5.4., 21 Uhr, VVK: 15 Euro zzgl. Gebühr

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