Kommentar

„Aneignung“ von Stefan Hochgesand

Kürzlich hat mir ein Freund davon erzählt, dass er jetzt Voguing macht und dass das in Berlin ­gerade schwer im Kommen ist: House Dance, der im New York der späten 1980er entstand, ­basierend auf der schwarzen schwulen Ballroom-Szene der 1960er. Ich fand das ziemlich cool, dann ploppte eine Frage in mir auf: Darf er das?

Stefan Hochgesand

Er ist doch gar nicht schwarz. – Klingt schon fast rassistisch, der Einspruch, wird aber, in ähnlicher Form, immer öfter zu antirassistischen Zwecken ins Feld geführt.
Mittlerweile ist die Diskussion im Mainstream angekommen: Darf Katy Perry sich „japanisch“ als Geisha schminken und kleiden – und somit kommerziellen Nutzen ziehen aus einer Kultur, mit der sie sich nicht mal ernsthaft aus­einandersetzt? (Sie hat sich inzwischen reumütig dafür entschuldigt.) Darf Beyoncé sich in „afrikanische“ Outfits werfen, obwohl sie niemals auf diesem Kontinent gelebt hat?
„Kulturelle Aneignung“ lautet der Vorwurf. War das nicht mal positiv besetzt, sich etwas anzueignen, zumal aus einer anderen Kultur? Bei David Bowie und Madonna (die übrigens schon lange Voguing macht) hat niemand ge­meckert. In anderen Fällen ist es eindeutiger: Im Juni wollte ich mit einem weißen und zwei schwarzen Freunden zur Beyoncé-Party ins SchwuZ. Auffällig viele schwarze Menschen wurden in der Nacht abgewiesen, meine Freunde auch – während drinnen die Musik der „Black Lives Matter“-Ikone Beyoncé lief und die Kassen des ziemlich weißen Clubs vollspülte. So wrong.

Mehr über Cookies erfahren