Konzerte & Party

Angel Olsen im HAU 1

Angel Olsen

Im Zentrum ihrer Musik stehen die Texte. Texte, die wenig mit klassischen Lyrics zu tun haben, sondern viel eher eine spontane und unbearbeitete Vertonung von Gedanken sind: richtungslos, assoziativ, sprunghaft. Wenn Angel Olsen singt, fließen ihre Worte auf natürliche und ungehemmte Weise, ein „stream of consciousness“, dem sich die Begleitmusik unterzuordnen hat. Traditionelle Liedstrukturen sind bei dieser Art von Songwriting nur hinderlich, deshalb verzichtet Angel Olsen auch meist auf klar erkennbare Refrains oder sonstige wiederkehrende Elemente. Stattdessen orientiert sie sich vor allem in ihren folkigeren Stücken hörbar an der lyrischen Form der Ballade. Der Song „White Fire“ auf ihrem neuen Album „Burn Your Fire For No Witness“ ist eine siebenminütige Abfolge von Strophen, in dem weder die düster zupfende Akustikgitarre noch die Gesangsmelodie große Variation zeigt. „Everything is tragic, it all just falls apart“, lauten die ersten Zeilen des traurigen, schwermütigen Stücks. Angel Olsens Stimme ist dabei von solch einer Niedergeschlagenheit und Resignation erfüllt, dass man als Zuhörer binnen Sekunden selbst kurz davor steht, sich desillusioniert von der Welt abzuwenden. Wäre da nicht ihre Musik, dieses anachronistisch anmutende Gebräu aus Indie Rock, Singer-Songwriter, Chanson, Country und Alternative Folk. Der Wunsch nach Katharsis ist dabei Angel Olsens maßgeblicher Antrieb. „I feel so much at once that I could scream“, heißt es passend im Track „Stars“.

Text: Henrike Möller

Foto: Zia Anger

Angel Olsen, ?HAU 1, Sa 29.3., 20 Uhr, ?VVK: 16,50 Ђ zzgl. Gebühr

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