Konzerte & Party

Anika im Festsaal Kreuzberg

anikaStimme Sie ist viel unterwegs. Berlin, Bristol, London, Paris. Das hat zum einen damit zu tun, dass Anika in Bristol und Berlin lebt; der Vater ist Engländer, die Mutter Deutsche. Zum anderen ist sie in verschiedenen Musikprojekten aktiv. Sollte sie zunächst bei der von Portishead-Chef Geoff Barrow gegründeten Band Beak als Sängerin auftreten, zeigte sich Barrow so fasziniert von ihr, dass er den Spieß kurzerhand umdrehte: Anika dirigiert, Beak spielt ein, Barrow produziert. Ihr so entstandenes Debütalbum „Anika“ begeisterte im letzten Jahr mit einem eigenwillig dunklen Sound aus Funk, Punk und Dub. Die Produktion dauerte nur zwölf Tage; Musikmachen um der Musik willen, ohne Kalkül und ausbalancierte Perfektion. Barrow sagte einmal über sie: „Anika ist nicht wie eine Christina Aguilera, sie hat ihren eigenen Sound.“ Mit ihrer tiefen dunklen wie ungeformten, fast rohen Stimme wird sie als eine neue Nico gefeiert. Dabei ist die Deutsch-Britin nicht nur in verschiedenen Orten der Welt zu Hause, sondern auch in unterschiedlichen Berufsfeldern.

So war sie lange Zeit Bandmanagerin, gründete ihr eigenes Label, organisierte Konzerte. Hauptberuflich ist Annika Henderson aber politische Journalistin. Im britischen Cardiff hat sie studiert, später arbeitete sie in Berlin für die europäische Hochschulnachrichtenagentur ESNA. Aktuell, so scheint es, hat die 24-Jährige in der Kunst ein Ausdrucksmittel gefunden, mit dem sie politischer sein kann als im Journalismus: „Mit meiner Musik kann ich viel freier und persönlicher über Politik reden. Ich kann meine echte Meinung sagen.“ Ihr primäres Medium bleibt das Wort, selbst in der Musik, mit der sie gleich ein zweifaches politisches Statement setzt: zum einen direkt über den Text, zum anderen mit Klängen, die kompromisslos an den Marktmechanismen vorbei spazieren. Irgendwann möchte Anika ganz nach Berlin ziehen, ein Label gründen und als Journalistin arbeiten. Und das scheint auf ihre Art wohl eher in Berlin als in London möglich zu sein.

Text: Simone Jung

Anika
Festsaal Kreuzberg, Di 24.5., 21 Uhr, VVK: 17,80 Ђ

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