Konzerte & Party

Ein Interview mit Animal Collective

Animal CollectiveHeute erweitert die auf drei Mitglieder geschrumpfte Formation, immer weiter den Begriff der Popmusik. Auf ihrem mittlerweile neuntem Album verfolgen Animal Collective, wie schon auf dem Vorgänger „Strawberry Jam“ weiterhin ihr Faible für eingängige Melodien und minimale Arrangements.
Der Tip traf David Portner alias Avey Tare, der am kommenden Sonntag mit seiner Band im Berliner Postbahnhof auftreten wird.

tip Wie liefen die Aufnahmen zu Eurem neuen Album „Merriweather Post Pavilion“?
Avey Tare Bevor wir mit den eigentlichen Aufnahmen begannen, haben wir schon Mitte 2007 angefangen, erste Songs zu schreiben und diese auch live zu spielen. Wir haben die neuen Tracks auf der Tour erarbeitet und die eigentliche Studioarbeit dann auf etwas mehr als einen Monat beschränkt. Dort haben wir die etwas ungeschliffenen Songs wie „Bluish“ und „Lion In A Coma“ auch richtig orchestriert.

tip Habt Ihr im Studio irgendwelche neuen Methoden oder Technologien ausprobiert?
Tare Wir haben uns das Studio so ausgesucht, dass wir im Kontrollraum spielen konnten, also zusammen mit dem Tontechniker waren. Zuvor waren wir immer von ihm getrennt, weil wir im Live-Raum gespielt haben. Wir haben überall unsere Lautsprecher aufgestellt und dann den Sound aufgenommen, der aus ihnen herauskam. Der Raum selbst und die ganze alte Technik, die da herumstand, klingen sehr warm und natürlich. Das kann man auf den Aufnahmen hören.

tip Der Sound ist tatsächlich sehr mild und die Stücke haben richtige Songstrukturen, damit habt ihr ja schon auf dem Vorgänger „Strawberry Jam“ begonnen. Ist das neue Album nun eine Fortsetzung dieses Sounds?
Tare Die Strukturen unserer Songs sind tatsächlich etwas einfacher geworden. In der Vergangenheit bestanden unsere Songs aus sehr vielen Teilen, die sich dann überallhin verstreuten. Auf „Strawberry Jam“ haben wir diese Formlosigkeit etwas abgeschwächt und die Arrangements simpler gestaltet. Vor allem auf dem neuen Album sind sie wesentlich minimalistischer und basieren auf Melodien. Früher haben wir mehr brutale Elektronikklänge eingesetzt.

tip War die Musik auf den früheren Alben experimenteller?
Tare Die Gitarren waren knackiger, gingen mehr nach vorn los, auf „Merriweather Post Pavilion“ fehlen die Gitarren weitgehend, das erschafft den Raum für Melodien, die so an die Oberfläche gelangen können.

tip Wovon handeln die Texte Eurer Songs?
Tare Vor allem geht es um Freunde und Familie und die Verantwortung und Liebe, die man ihnen gegenüber empfindet. Das beschäftigt uns, weil wir dauernd durch die Gegend reisen und weg von zuhause sind. Heute sind wir als Musiker und als Menschen etwas bodenständiger und stabiler geworden, haben feste Freundinnen oder Familien und so geht es auch um diesen Gegensatz, dass man stabiler wird und dennoch immer von dem weggezogen wird, was man liebt und wo mein eigentlich sein will.

tip Da wir schon über Freunde sprechen, was passierte mit Deakin? Eigentlich war er immer mit dabei, heute fehlt er aber bei den Konzerten und er spielt auch nicht auf dem neuen Album mit.
Tare Deakin ist an einem Punkt angekommen, an dem er eine Pause vom Tourstress brauchte. Er hatte ein wirklich hartes Jahr, als wir die Aufnahmen zu „Strawberry Jam“ gemacht haben, weil damals sein Vater starb. Das ist bei uns aber so, wenn einer Ruhe braucht, dann macht der Rest trotzdem weiter und dann stößt man irgendwann eben wieder dazu, wie bei einem Projekt. Wir haben Animal Collective ohnehin schon immer eher als ein Projekt gesehen und nicht als eine vierköpfige Band mit linearer Entwicklung.

tip Woher kommen die Inspirationen zu Eurer Musik?
Tare Wir sind alle sehr von dem britischen Dubstep-Musiker William Bevan alias Burial beeinflusst. Seine Basssounds und die außerirdische Qualität seiner elektronischen Tanzmusik ist eine wirkliche Inspiration für uns. In letzter Zeithaben wir auch viel von diesem warmen, melodischen Minimal Techno von Pantha Du Prince gehört, der auf dem Kölner Label Kompakt erscheint. Dazu kommen die Sachen, die wir sowieso die ganze Zeit hören, wie King Tubby.

tip Ihr lebt in Brooklyn, hört ihr eigentlich die Musik von anderen Bands aus eurer Gegend, wie etwa TV On The Radio oder Hercules And Love Affair?
Tare Nicht wirklich, wir fahren so viel herum und machen eigentlich unsere eigenes Ding. Außer mir lebt aber derzeit sowieso niemand mehr von der Band in New York, so ist es schwer an dieser Szene dranzubleiben. Wenn ich da bin, schaue ich mir natürlich viele Konzerte an, aber eine Verbindung zu ihnen spüre ich nicht.

tip Was passierte mit „New Weird America“?
Tare Ich glaube das ist ein Begriff, den Musikjournalisten außerhalb der USA geprägt haben. Für kurze Zeit waren wir offensichtlich Teil dieses Phänomens, was wohl daran lag, das wir Platten mit akustischen Gitarren gemacht haben. Aber uns hat schon immer auch elektronische Musik beeinflusst. Es ist gut, dass es diese Bands gibt und auch das Genre „New Weird America“, aber wir haben uns davon wohl entfernt.

Interview: Jacek Slaski

Lesen Sie hier: Die Rezension zum Album „Merriweather Post Pavillon“

Animal Collective, Postbahnhof, Straße der Pariser Komune 3-7, Berlin-Friedrichshain, So 18.01., 21.00 Uhr, VVK: 18 Euro

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