Konzerte & Party

Anna Calvi im Privat Club

Anna_CalviÜber Anna Calvi wird momentan viel geredet. Man könnte es auch den ersten Hype des neuen Jahres nennen. Dass er in diesem Fall berechtigt ist, lässt sich auch am prominenten Zuspruch ablesen, den die Frau erhalten hat. Nick Cave ließ sie im Vorprogramm der jüngsten Grinderman-Tour spielen. Brian Eno gastiert auf ihrem Debütalbum und Rob Ellis, Vertrauensmann von PJ Harvey, hat es produziert. Das sind erfahrene Recken, die nicht gleich bei jeder neuen Sängerin zu Begeisterungsstürmen neigen. Andererseits verfügt auch nicht jede Sängerin über die Voraussetzungen einer Anna Calvi.

Die in London lebende Musikerin hatte den besten Ausbilder in der eigenen Familie. Ihr italienischer Vater, Besitzer einer umfangreichen Plattensammlung, gab ihr von klein auf Nachhilfe in Sachen Rock’n’Roll, machte sie aber auch mit Musik aus seiner Heimat vertraut. Man kann das jetzt an Gitarrenakkorden hören, die aus einem Morricone-Western oder einer Tarantella zu stammen scheinen. Sie haben ihren ganz eigenen Twang. „Wenn ich Gitarre spiele, stelle ich mir vor, sie sei ein kleines Orchester. Ich drehe voll auf und explodiere fast dabei. Dann fahre ich wieder alles herunter und man hört diesen feinen Klang, der einer Stimme ähnelt“, erklärt Calvi.

Über ihren Gesang spricht sie nur ungern, obwohl gerade der unheimlich viel ausmacht. Bei ihren bisherigen Berlin-Auftritten konnte man sehen, wie sie den Mund ganz weit aufreißt, so als wolle sie eine Opernsängerin auf der Bühne der Scala sein. Calvi, ursprünglich an der Violine geschult, brauchte eine Weile, um zu realisieren, dass sie über diese Möglichkeiten verfügt. Zuerst versuchte sie es als Frontfrau in der punkigen Band Cheap Hotel, die nur kurze Zeit existierte. Nach deren Auflösung arbeitete Calvi mehrere Jahre lang fieberhaft an den zehn Songs, die nun auf ihrem großartigen Debüt zu hören sind. Alles macht Calvi aber nicht alleine. Auf Konzerten wird sie von Schlagzeuger Daniel Maiden-Wood und Mally Harpaz begleitet, die Harmonium und Shaker spielt. Die beiden veredeln die verführerischen Rochaden zwischen Rock, Filmmusik und Klassik noch einmal zusätzlich. Unbedingt hinhören!     

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Verlässlich gut

Anna Calvi, Privat Club, Sa 12. (ausverkauft) + So 13.2., 20 Uhr, VVK: 12 Ђ

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