Konzerte & Party

Anna F. im Privatclub

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Anna F. hat intime Songs für ein großes Publikum geschrieben.

Sie gehöre zu den vielversprechendsten neuen Künstlern bei Universal, beginnt die zuständige Product Managerin ihre Eröffnungsrede. Es ist 12.30 Uhr und rund 80 Journalisten tummeln sich um eine kleine Bühne, auf der Anna F. gleich ein paar Songs ihres neuen Albums präsentieren wird. Dass das Label große Stücke auf die Singersongwriterin aus Österreich hält, verrät im Grunde schon dieses Promotion Event: Ein Medienbrunch mit exquisiten, undefinierbaren Häppchen in der wahrhaft schnieken und außerdem brandneuen Monkey Bar, einem gläsernen Loft im 10. Stock des 25hours Hotel mit direktem Blick auf den Zoo.

Nicht nur auf das Album, an dem Anna F. rund drei Jahre gearbeitet hat, ist man bei der Plattenfirma mächtig stolz, sondern vor allem auch auf die Künstlerin selbst. Ihre Persönlichkeit, ihre Ausstrahlung, ihre Natürlichkeit. Sie sei einer dieser seltenen Menschen, die man unmöglich nicht mögen kann, heißt es im Promotext, und auch die Label-Vertreter vor Ort scheinen dieser Meinung zu sein. Ständig heißt es: „Ist sie nicht nett? Und überhaupt nicht aufgesetzt!“.

Keine Angst vor Schüchternheit

Nach der Anmoderation betritt Anna F. mit zwei Bandkollegen die Bühne und stimmt die erste Singleauskopplung „Too Far“ an, eine sanft fließende, trotz allem aber spannungsvolle, tiefbohrende Folk-Pop-Ballade, die ganz ohne Schmalz auskommt. Im allerliebsten Österreichisch wendet sich Anna F. anschließend grinsend ans Publikum und … ja, sie ist einem in der Tat auf Anhieb sympathisch. „Ich bin ein bisschen nervös“, gesteht sie. „Habt ihr gesehen, wie mein Fuß gezittert hat?“ Dann stellt sie ihre Mitmusiker vor. Der kleine Blonde, der so glücklich und zufrieden reinblickt, ist Philipp Steinke. Ein Typ, den man optisch betrachtet gerne knuddeln würde; der Respekt vor seinem Können hält einen dann aber doch davon ab. Philipp Steinke ist nämlich nicht nur der Hauptproduzent der Platte, er ist auch für das Erfolgsalbum „Mutual Friends“ der Band Boy verantwortlich. „Bei Philipp und mir war das in musikalischer Hinsicht Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Anna F. „Es gab noch andere Produzenten, die den Job machen wollten, aber bei Philipp hat es sich einfach von Anfang an am besten angefühlt.“

Zu diesen anderen gehört beispielsweise der Amerikaner Rick Nowels, auf dessen Konto Lykke Li’s „Follow Rivers“ oder Dido’s „White Flag“ geht. In L.A. schrieben die beiden zwar gemeinsam an Songs, als Produzent wollte Anna F. ihn dann aber doch nicht engagieren: „Der hatte zehn Projekte gleichzeitig laufen; in einem Studio hat er mit Nelly Furtado aufgenommen, dann ist er wieder zu mir rüber. Ich hatte einfach Bedenken, dass er da nicht genug Liebe und Detail hineinstecken könnte.“

Eine kluge Entscheidung, zumal der Albumtrack „Lost In Perfection“ – das einzige Mitbringsel aus der Zusammenarbeit mit Nowels – zweifelsfrei zu den schwächsten der Platte zählt: eine düstere Synthiepop-Nummer jener Art, wie man sie momentan zuhauf durchs Radio dudeln hört. „In L.A. wollen sie halt alle nur Hits schreiben“, meint Anna F. So habe sie nicht arbeiten wollen. „Philipp und ich haben einfach zusammen Musik gemacht, ohne zu überlegen, ob das jetzt das Zeug zum Hit hat oder nicht.“

Das Prinzip Zufall

Neben Steinke spielt noch ein weiterer bekannter Herr eine entscheidende Rolle auf Anna F.’s neuem Album: der ehemalige EMFGitarrist Ian Dench. „Ich bin vor fünf Jahren auf einer Hochzeit von Freunden aufgetreten. Danach kam eine Engländerin zu mir und meinte, das sei ja Wahnsinn, was ich da mache, und ich müsse unbedingt ihren Nachbarn in England kennenlernen: Ian Dench.“ Sie habe nicht erwartet, dass er auf ihre Mail antworten würde, so Anna F. weiter. Doch schon kurze Zeit später lud er sie nach New York zu einer Songwriting Session ein. „Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit jemandem zusammen geschrieben habe. Das war für mich echt ein großes Ding. Man muss sich ja so schnell öffnen und so viel von sich preisgeben.“

Viele der Lyrics auf dem neuen Album sind Dench’s und Anna F.’s Gemeinschaftswerk. So auch der Titelsong „King In A Mirror“, der die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung thematisiert. Die Inspiration hierfür holten sich die beiden bei einem Museumsbesuch in Madrid. „Wir haben uns im Prado Velбzquez’ ‚Las Meninas‘ angeschaut. Das Bild zeigt ein Königspaar, das in einem Spiegel reflektiert wird“, erzählt sie. „Wir standen sicher eine Stunde davor und haben spekuliert, was es wohl bedeutet. Das war der Auslöser für den Song.“ Den größten musikalischen Fußabdruck hat Dench aber durch seinen EMF-Hit „Unbelievable“ hinterlassen, den Anna F. auf ihrem neuen Album covert. Ihre Interpretation kommt dabei finsterer und kantiger daher als das Original. Es sind diese roheren, eben nicht so unschuldig weichen Songs wie jene auf ihrem Debüt, die Anna F. besonders gut stehen.

Nach dem kurzen Akustik-Gig verdrückt sich Produzent Philipp Steinke eilig und fast ein bisschen schüchtern in Richtung Bufett. Die Kanapees haben Journalisten in der Zwischenzeit komplett vertilgt; es ist schließlich Mittag. Anna F. ergattert vor lauter Frager-Andrang nicht mal eine Cola. Eigentlich hätte sie bei diesem Promo-Event gar nicht groß reden sollen. Entweder weiß sie das nicht – oder es ist ihr einfach mal herrlich egal.

Text: Henrike Möller

Foto: Max Parovsky

Anna F. Privatclub Di 22. 4., 20 Uhr

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