Konzerte & Party

Anneke van Giersbergen im Interview

Anneke-Van-GiersbergenDein neues Album „Drive“ klingt deutlich optimistischer als seine Vorgänger.
Ja, das stimmt. Grundsätzlich sollte jede Platte anders klingen, da sie Ausschnitte aus meinem Gefühlsleben widerspiegelt. Die Songs entstehen meist aus einem spontanen Impuls heraus. Ich komponiere immer häufiger, wenn ich auf Tour bin. Und da stimmen die Vibes.

Einen sehr berührenden Song stellt die Ballade „My Mother Said“ dar. Was hat Dir Deine Mutter vermittelt, woran in Deiner Kindheit erinnerst Du Dich?
Das prägende Gefühl war, dass mir vertraut wurde. Das ist für ein Kind ganz wichtig. Darüber hinaus wurde mir die Freiheit gelassen, mich musikalisch auszuprobieren und zu entwickeln. Wir wohnten auf einem Dorf. Insgesamt ging es sehr ruhig und zurückgelehnt zu.

Einer Deiner größten Einflüsse war Prince, genau wie bei Ihsahn, der mit Emperor den Black Metal revolutionierte. Prince und Metal geht in der Vorstellung der meisten Menschen nicht zusammen.
Ich weiß. Engstirnig, oder? Prince ist ein fantastischer Sänger, darüber hinaus einer der großartigsten Songschreiber und Produzenten. Ich liebe seine Songs! Die meisten Metal-Musiker haben einen breit gefächerten Geschmack, weswegen es auch innerhalb des Genres so viele Facetten gibt. In meiner Jugend sang ich auch in unterschiedlichen Bands, manche spielten Metal, andere nicht. Es gibt kein entweder oder – bestenfalls ein sowohl als auch. Das ist viel bereichernder!

Zwischen 1994 und 2007 warst Du Frontfrau von The Gathering. Die Texte Deiner Soloplatten sind deutlich persönlicher. War das für Dich ausschlaggebend, mehr künstlerische Freiheit zu haben.
Ja, in der Tat. Mir ging es darum, eigene Songs auf die Bühne zu bringen und selbst alle Entscheidungen zu treffen. Ich habe die Zeit mit The Gathering unheimlich geliebt. Aber 2007 war es an der Zeit, selbst Verantwortung zu übernehmen. Im Prinzip war so, als hätte ich das schützende Nest verlassen, in dem ich mich wohlfühlte, Liebe empfing und enorm viel lernte.

Es gab dann das Projekt Aqua di Annique. Veröffentlichst Du darunter noch Musik.
Nein. Im Prinzip war es der Projektname für dasselbe, was ich jetzt auch mache. Aber vielen Leuten war nicht klar, dass ich dahinterstecke. Daraus resultiert die Entscheidung, meinen realen Namen zu benutzen.


Dein erstes Berlin-Konzert fand 1994 im Halford in Lichtenberg statt. Seitdem hast du oft in Berlin gespielt…

Und ich staune jedes Mal, wie schnell sich die Stadt verändert. Wahnsinn! Die Stadt ist ein Traum, unheimlich inspirierend für Musiker und andere Künstler.

Wo befinden sich Deine Lieblingsorte?
Am liebsten bewege ich mich zu Fuß durch die Stadt, werfe einen Blick auf die eklektische Architektur und die Menschen. Falls ich irgendwo einkehre, dann fernab der Hot Spots in kleinen Cafйs, die Wert auf Qualität ihrer Speisen und Getränke legen. So kann ich Tage zubringen: Laufen, gucken …

Wirst Du denn auf Deiner Tour das Depeche-Mode-Cover „Never Let Me Down Again“ spielen, das du 1996 mit den Farmer Boys aufgenommen hast?
(lacht) Super Idee! Ich habe den Track noch nie live gespielt, dabei liebe ich ihn wirklich. Du hast Recht, das sollten wir machen!

Interview: Ronald Klein

Foto: Raymon van Olphen

Anneke van Giersbergen K 17, 10. 4. 19 Uhr

 

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