Konzerte & Party

Anohni: "Hopelessness"

Anohni: "Hopelessness"

Bestimmte Todesarten gehen ja mit Euphorie einher. Freude vor dem Taumeln. Das "atmosphärische Ersticken" etwa, wie die Mediziner sagen, in sauerstoffarmen Höhen: mit der Plastiktüte über dem Kopf oder in abgeschlossenen Räumen. Genau diese Todeseuphorie ist die Tonlage von ANOHNIS Debüt. Gewissermaßen ist es kein Debüt, denn viele kennen sie noch unter dem Namen Antony, der mit den Johnsons fragile Streichquartett-Klavier-Balladen machte. ANOHNI ist ihr feminines Pseudonym, da sie sich nicht mehr als Mann versteht. Es ließen sich Seiten darüber füllen, wie wichtig dieser Schritt ist, aber vielleicht bleiben wir an dieser Stelle einfach bei der Musik. Denn: Ja, diese Todeseuphorie kommt gleich im Opener "Drone bomb me" zum Ausdruck: Liebeslied eines afghanischen Mädchens an die US-amerikamische Kampfdrohne, die ihr den Tod bringt. Im Video gespielt von Naomi Campbell. Und natürlich ist das blanker Sarkasmus. Da wären wir bei der zweiten leitmotivischen Emotion: Wut. Gegen Obama und das Massakrieren des Planeten. Diese Platte ist hochpoltisch.
Stimmlich intoniert ANOHNI souliger als je zuvor. Instrumental knallt, wirbelt, dronen-drönt und elektrisiert das Synthesizer-Beat-Geblitze auch monströser und düsterer, als Anthoy es je getan hat. Zugleich ist die Mucke nichts Tanzbares für die Tanzbar – anders als die Dance-Tracks, die Antony vor einigen Jahren mit Hercules and Love Affair machte. Nein, dafür  sind die Tracks rhythmisch viel zu raffiniert. So wie beim Duett mit Björk 2014 auf deren Vulnicura-Album. ANOHNI hat sich die Beat-Bastler Oneohtrix Point Never (Tim Hecker) und Hudson Mohawke (Pusha T) mit an Bord geholt. Nach den Johnsons klingt das echt nicht mehr. Dafür hat das alles, neben der Wut, auch die perfekte Wucht im Klanggewitter. Weltklasse.    

Text: Stefan Hochgesand

Anohni Hopelessness (Rough Trade)

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