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Antilopen Gang im SO 36

Antilopen Gang

tip Ihr wart früher als Anti Alles Aktion unterwegs. So heißt ihr inzwischen zwar nicht mehr, dafür habt ihr eurem Debüt den Namen „Aversion“ verpasst. Ist so eine generelle Abneigung nicht etwas pubertär?
Panik Panzer?Unsere Aversion ist in der Tat eine sehr plumpe Aversion. Die ist nicht sehr ausgeklügelt. Wir haben uns nicht genau überlegt, gegen was es schlau wäre, zu sein. Deshalb ist sie tatsächlich allumfassend und schließt nichts aus. Auch uns selbst nicht. Da machen wir keine Kompromisse.
Koljah?Aber die Aversion hofft insgeheim darauf, dass alles besser wird. Auch wir selbst. Wenn alles gut läuft, wird aus der Aversion irgendwann eine Affirmation. Das passiert dann vielleicht auf dem nächsten Album. Oder auf dem übernächsten.
Panik Panzer?Ich freue mich schon richtig darauf, dass man altersmilde wird.

tip Davon ist in eurem Track „Outlaws“ auf jeden Fall noch nichts zu spüren. Da macht ihr der HipHop-Szene ja eine gehörige Ansage: „Deutsch-Rap muss sterben, damit wir leben können.“
Danger Dan?Wir sagen in dem Song sogar, dass wir zu keiner Szene dazugehören wollen.
Koljah?Vielleicht kann man sagen, dass wir oft ein gewisses Unwohlsein verspüren, wenn sich Leute zu Szenen formieren. Zumindest geht es mir so, dass ich mich in Kollektiven meistens nicht wohlfühle. Wir sind alle drei Individualisten. Für uns ist es schon schwierig genug, uns auf den gemeinsamen Nenner Antilopen Gang zu einigen. Du willst nicht wissen, was wir intern für Kämpfe austragen.
Danger Dan?Jede Szene ist ja auch nur deshalb eine Szene, weil sie sich in irgendeine Richtung abgrenzt. Wir sind aber schon so beschränkt genug. Wir brauchen nicht noch mehr Grenzen. (lacht)

Antilopen Gangtip Dass ihr von Genre-Grenzen nichts haltet, merkt man eurem Sound auf jeden Fall an. Einige Songs haben deutliche Punk-Anleihen. Inwiefern sind Rap und Punk das perfekte Match?
Koljah?Sowohl Punk als auch Rap sind nicht in irgendwelchen Musikindustrie-Geschäftszimmern entstanden, sondern wurden von Jugendlichen und Underdogs entwickelt. Beide Genres kamen außerdem Ende der 70er-Jahre auf, also zu einer Zeit, in der Musik ein riesiger Popanz war mit bombastischen Studios und Stadionkonzerten. Und dann kamen halt irgendwann die Punks und haben sich gesagt, scheiß drauf, ich kauf mir jetzt eine Billig-Gitarre, muss die nicht mal spielen können, und gründe eine Band. Die HipHopper wiederum haben sich gedacht, wir nehmen uns einfach die Plattenspieler und benutzen die als Musikinstrumente. Dieses Do-it-yourself-Mäßige hat die Musiklandschaft sehr verändert. Man musste plötzlich kein Profi mehr sein. Das war eine Art Aneignung.
Danger Dan?Es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit: HipHop wird ja oft aus Müll gemacht, also aus alten Platten, die man neu zusammenschustert. Und ungefähr so sehen Punker aus.

tip Findet ihr Punk-Rap ist eine passende Bezeichnung für eure Musik?
Danger Dan?Ich würde sagen ja, einige Punker würden wahrscheinlich sagen nein, aber es gibt schon deutliche Anleihen. Wir haben Schlagzeugspuren, die wie Punk klingen, und viele verzerrte Gitarren. Außerdem hat Punk oft dieselben vier Akkorde. Bei uns ist das ähnlich. Musiktheoretiker, die unser Album hören, werden schnell herausfinden, dass das harmonisch kein Meisterwerk ist.

tip Dann seid ihr beim Toten-Hosen-Label ja in der Tat gut aufgehoben. Wie kam es zu dem Signing?
Danger Dan
?Wir waren total betrunken bei einem Berliner Radiosender zu Gast. Viele Leute haben es gehasst, viele Leute haben es geliebt. Darunter auch Patrick Orth, der Manager der Toten Hosen. Er hat uns dann kurze Zeit später eine SMS geschrieben.
Koljah?Es gab aber schon vorher Kontakt zu JKP. Ich habe nämlich mal einen Tote-Hosen-Song gemacht und das haben die mitbekommen. Seitdem hatten wir uns gegenseitig auf dem Schirm.
Danger Dan?Koljah ist ein krasser Fan. Neulich waren wir auf einer Party, auf der auch der Autor der Toten-Hosen-Biografie war, und da habe ich gelauscht, wie Koljah ihn ständig korrigiert hat.
Koljah?Ich habe so ein paar falsche Jahreszahlen in der Biografie entdeckt. Die werden in den zukünftigen Auflagen geändert.

tip Wird es da vielleicht mal eine Zusammenarbeit geben? Antilopen Gang featuring Die Toten Hosen?
Koljah?Denkbar wäre es, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie sich das anhören sollte. Ich glaube, es ist cooler für uns, Platten über das Label der Toten Hosen rauszubringen, als mit ihnen Musik zu machen.

Interview: Henrike Möller

Fotos: Thomas Schermer

Antilopen Gang, SO36, Oranienstraße 190, Kreuzberg, Sa 14.3., 20 Uhr, ausverkauft

Hintergrund
Der Selbstmord ihres Bandkollegen NMZS bringt der Antilopen Gang im Jahr 2013 erstmals weitreichende mediale Aufmerksamkeit. Auf Wunsch des verstorbenen Freundes hin beschließen Panik Panzer, Koljah und Danger Dan die Band am Leben zu erhalten. 2014 unterschreiben sie bei JKP, dem Label der Toten Hosen, und veröffentlichen ihr Major-Label-Debüt „Aversion“. Mit der Single „Beate Zschäpe hört U2“ sorgt die Antilopen Gang im Herbst 2014 erneut für Furore. In den Lyrics setzt sie sich kritisch mit rechtsextremen Tendenzen in der Bevölkerung auseinander und tituliert Günter Grass, Jürgen Möllemann und Ken Jebsen als Neonazis. Letzterer versucht daraufhin, die Band abzumahnen, verliert jedoch vor Gericht.

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